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Samstag, 21. Februar 2015

Die Letzten Versuche

Die Fitz Roy Gruppe vom Torre Valley aus.

Blick vom Passo Superior runter zu Laguna.

Je später sie Saison umso schlimmer sehen die Gletscher aus und um so schwerer ist deren Überschreitung.


Endlich hatte ich mit Pepe einen Partner und es stand der Fitz Roy auf dem Programm. Doch zur Durchsteigung der 1350 m hohen Ostseite waren mindestens 3 Tage ohne Wind und Niederschlag nötig. Erneut machte mir das patagonische Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es kam nicht einmal ein Wetterfenster von einem Tag. Obwohl das Wetter schlecht angesagt war kam in den Bergen nie richtig viel Schnee dazu. Dennoch wollten wir es nicht riskieren in einer Wand ungeschützt einem Sturm ausgeliefert zu sein. Wir konnten also nur Warten. Bevor erneut schönes Wetter kam ging Pepes Zeit in Chalten zu Ende und ich stand ohne Partner da. Im Tal war das Wetter immer gut genug um Bouldern zu gehen und so war das Warten ein guter Zeitvertreib und zudem ein gutes Training. Mit den Chilenen welche täglich mein Spanisch aufbesserten hatten wir viel Spaß und bereits nach kurzer Zeit gehörte ich fest du dieser lustigen Gruppe. Als Pepe abfuhr hatte ich mich innerlich schon damit abgefunden auch die letzte Woche noch Bouldern zu gehen, denn das Wetter sah weiterhin sehr durchwachsen aus. An just diesem Tag kam Matteo aus Italien mit einem Vorschlag zu mir. Wir hatten uns gelegentlich in den Alpen getroffen und ich habe zusammen mit Issy einige Routen von ihm wiederholt und alle waren moralisch sehr anspruchsvoll. Wegen des kalten wechselhaften Wetters war das Team um Matteo (2 Schweizer und 3 Italiener) nicht sicher ob sie ihre Versuche am Ostpfeiler des Fitz Roy fortsetzen sollten. Alle außer Matteo sahen in der Ferrari-Route ein besseres Ziel für dieses Wetter und so fragte Matteo mich ob ich am Ostpfeiler der Fiz Roy Interessiert sei. Ohne groß zu überlegen sagte ich zu und da ich nur noch knapp 6 Tage hatte stiegen wir am nächsten Morgen zum Passo Superior auf wo bereits einiges Material deponiert war. Das Wetter war gut und nach 7h Schlepperei waren wir am Ziel. Des heutigen Tages. Der Plan für die nächsten Tage sah vor, das wir in 3 Tagen durch frei die Route des Ostpfeilers Klettern welche noch nie frei geklettert wurde. Dies würde jedoch scheitern, wenn Eis in den Rissen verhinderte den Riss zum Klettern zu benutzen wie es Matteo bei dem Versuch 2 Wochen zuvor erfahren durfte. Ein anderer Punkt der mir etwas Kopfzerbrechen bereitete war das Portalege. Da es keine Bänder zum Biwakieren gab, waren wir auf dieses angewiesen und Matteo hatte dies bereits am Passo Superior deponiert. Jedoch war dieses von Black Diamond und keiner von uns hatte dieses bisher zusammen mit dem Rainfly aufgebaut. Ich bestand also darauf, das wir dies am gleichen Abend noch übten, denn in der Wand und eventuell in einem Sturm ist alles viel komplizierter als auf dem Erdboden. Leichter gesagt als getan. Es dauerte tatsächlich 2 h bis das Portaleg im Rainfly hing. Das größte Problem war, dass das Portaledge zu groß für das Rainfly war und wir es nicht reinzwängen konnte. Also versuchten wir es vergeblich bis ich mir das Portaledge noch einmal genauer ansah. Dabei fiel mir auf, das die Längsstangen zu lang sind und suchte nach der Ursache. Auf der Richtigen Spur fand ich auch bals den Fehler, denn der feine Staub in den Stangen verhinderte das diese vollständig ineinander rutschten und somit zu lang waren. Noch immer war alles zwar ein Krampf, aber wir hatten es geschafft. Endlich konnten wir uns der Pflicht des Wasserschmelzens und des Abendessens widmen und noch ehe wir angefangen hatten fing es an zu schneien. Der Wetterbericht hatte ein wenig Niederschlag und Wind vorausgesagt, aber was in der Nacht folgte war ein richtiger Schneesturm. Das Zelt lag mehr auf uns als das es stand und es war alles andere als gemütlich. Das kondenswasser welches feuchtkalt auf mich herabregnette rief Erinnerungen in mir wach an unsere Nächte am Cerro Cotta 2000 im Torres des Paines Nationalpark. Ich fragte mich die halbe Nacht ob es so klug war bei diesem Wetter aufzusteigen. Noch bevor die Nacht herum war wußte ich das es sinnlos ist einen Versuch zu starten und dieses Wetter auf die leichte Schulter zu nehmen. Meine vermutung bestätigte sich am nächsten Morgen. Jedes bisschen Fels egal ob liegend, senkrecht oder überhängend war mit einer Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. In Patagonien heißt dieses Phänomen Verglas und der Fels ist dadurch nicht mehr kletterbar. Ausgelöst wird dies unter anderen durch die saubere Luft hier. Dadurch befinden sich Wassertröpfchen noch im flüssigen Zustand obwohl die

Zustieg zum Passo Suoerior mit Matteo.




Verglace, so nennt man hier mit Eis überzogenen Fells. Wenn das mit den Seilen passiert braucht man an Abseilen nicht mehr zu denken.

Das Ziel deutlich vorm Auge. Zustieg zum Passo Superior mit noch gutem Wetter.

Alles voll Schnee oder Eis. Am Vortag waren fast alle Wände Schneefrei.

Temperatur bereits unter 0° C ist. Das ist nur möglich, da es der sauberen Luft an Kristallisationskeimen fehlt welche das Wasser gefriehren lassen. Kommen diese supercooled droplets dann in Kontakt mit festen Gegenständen erstarren sie sofort zu Eis. So kann sich durch die Verwirbelung des Windes innerhalb kürzester Zeit eine flächendeckende Vereisung des Felses ergeben. Erst nach viel Sonne und warmen Wetter würde man am Fitz Roy wieder an freie Kletterei denken können aber das würde so schnell nicht geschehen, denn es war eiskalt. Resigniert stiegen wir ab, denn Zeit zum warten hatten ich nicht selbst wenn das Wetter perfekt gewesen wäre, hätte ich meinen Rückflug gerade so bekommen. Nach einem Anstrengenden Abstieg überlegten wir wie man die letzten 3 Tage für eine kürzere Route noch nutzen könnte. Bevor wir groß überlegten machte ein weiterer Schneesturm nur noch 2 Tage daraus und wir entschieden uns noch einmal ins Torre Valley zu Laufen. Das Camp Nipo Nino wo es sonst nur so von Leuten wimmelt war verlassen was bei dem Wetter auch verständlich war. Der nächste Tag war straff durchgeplannt denn es sollte um 5:00 Uhr früh losgehen und denn ich mußte noch am gleichen Tag bzw in der Nacht die 6-8h ins Tal absteigen. Pünktlich um 5:00 Uhr weckte uns der Regen und es hörte bis 9:00 Uhr nicht auf. Für die geplante Route reichte die Zeit nicht mehr und so entschieden wir uns für die "Voi de Benitiers". Die 400m Kletterei waren bis auf eine Einzelstelle (7b) ca. 6b. Der Fels war bis auf wenige längen ausgezeichnet und wir kamen gut voran. Anfangs war es noch kalt, feucht und windig aber später klarrte der Himmel auf. Die Schlüsselstelle ist der Wechsel zwischen zwei Rissen und obwohl viele sagten: "Es gäbe da keine Griffe und Tritte" gelang es mir diese Länge im on sight. Der Rest war nicht weiter Schwer und eher Genuskletterei für uns. Wir staunten nicht schlech, als wir bereits nach 4h am Ausstieg waren und uns freuten beide die Route o.s./ flash geklettert zu haben. Viel Zeit war allerdings nicht zur freude, denn wir mussten noch Abseilen, Absteigen, das Zelt abbauen und zurück nach El Chalten laufen. Nach einem Gewaltmarsch sondersgleichen waren ich um Mitternacht im Centro Alpino und gönnte mir mein Abendessen. Am nächsten Tag ging es nach dem Sachen packen wieder mit allem Gepäck zum Busbahnhof wo ich nichtsahnend auf meine Rückfahrt wartete. Kurz vor der Abfahrt kammen noch einige der Chilenischen Boulderer mit welchen ich viele lustige Stunden verbracht hatte vorbei um sich von mir zu verabschieden.
Was für ein Mistwetter. 6h Zustieg und dann noch Regen.

Nach 4h 400m höher am Ausstieg

Matteo in der Crux von Voi de Benitier an der Mojo.

 Normalerweise bin ich kein Freund von Abschiedsscenarien, aber ich freute mich dennoch sehr über diese Geste. 4 Wochen zuvor kamm ich Mutterseelenalein nach El Chalten und jetzt ließ schaue ich auf viele Erlebnisse und Gespräche mit verschiedensten Leuten zurück. Wenn auch das Klettern für meinen Geschmack etwas zu kurz gekommen ist hatte ich eine schöne Zeit.
So und jetzt ab nach Hause mit mir.


Ach so wenn der eine oder andere Fehler oder das Layout etwas gestört hat, dem bitte ich um Entschuldigung. Es ist nicht gerade leicht alles auf einem popeligen Handy zu schreiben und hochzuladen. Vor allem dann, wenn einem die Geschwindigkeit von ISDN wie weit entfernte Zukunftsmusik vorkommt.

Montag, 9. Februar 2015

Desmochada Brass Parrot

Blick von der Moräne auf den Gletscher welchen man entlangläuft

Blick zur cerro Torre Gruppe
Die letzte Route hatte Lust gemacht auf mehr, doch wieder stand ich vor dem Problem mit wem, denn Seba hatte keine Zeit mehr und für längere Sachen war er leider auch nicht der richtige Partner. Dafür war das verständigungsproblem zu groß um komplexe Seilmaneuver von einem Stand zum anderen zu rufen. Je länger die Route, umso wahrscheinlicher, dass man den Haulbag in einem Quergang rauslassen muss und nicht genug Materialseil dafür zu Verfügung steht. Ganz zu schweigen davon, wenn man die Bergungstechniken mit Bewußtlosen durchsprechen will. Also ging wieder alles von vorne los. Neuer Partner neuer gemeinsamme Einklettertour in der Nähe des Ortes erneutes Durchsprechen der Seiltechnik usw. Als Pepe aus Santiago de Chile und ich das hinter uns gebracht hatten stand ein 3 Tage Schönwetterfenster vor der Tür. Was also machen? Mein bevorzugtes Ziel war am Fitz Roy eine Variante zu El Corazon welche mit fast 1400 Klettermetern endlich den langen Zustieg rechtfertigten. Da diese Route mehrere Tage dauern würde und ich im gegensatz zu den meisten Kletteren hier nacht ungern auf meinen Schlafsack verzichte kamen wir um Haulen nicht herum. Das war für Pepe neu, denn üblicherweise spart man sich das hier indem der Seilzweite mittels Jümar am Seil nachsteigt. Das mag vielleicht eine Alternative sein , wenn man irgendwie zum Gipfel kommen wollte aber für mich war das keine Lösung, denn ich wollte alle Einzelstellen frei Klettern. So entscheiden wir uns schweren Herzens, dass selten lange Wetterfenster für eine Eintagesroute im Tal des Cerro Torre zu nutzen. Dies hatte zum einen den Vorteil, das ich auch dieses endlich mal zu Gesicht bekommen. In Patagonien ist es nicht selten das sich mehrere Wochen keine Gelegenheit bietet in die Berge zu kommen. Das liegt gelegentlich an starken Schneefällen, jedoch fast immer an extrem starken Wind. Es ist defacto unmöglich das Wort Patagonoen in den Mund zu nehmen ohne den Wind zu erwähne der einem bis auf die Knochen mit Kälte erfüllt und dem aufrechten Gang ein Ende setzt. Wir starteten also zum Polaco Biwak was selbst mit leichtem Gepäck 8h Fußmarsch sind. Schon zeitig auf dem Weg thront der Cerro Torre über allem. Ich bin immer wieder stark beeindruckt von der Erhabenheit diesesnGipfels. In den vergangenen Tagen hatte sich trotz eenig Niederschlag Eis in der Headwall gebildet, welches selbst in der Sonne nicht schmolz. Bei der intensieven Sonne hier ist dies schwer vorstellbar. Die einzig logische Schlußfolgerung war, das es dort oben eiskalt ist. Der wind der eigentlich gar nicht vorhergesagt war pfiff kalt durch das Tal und wir verworfen bald den Vorsatz am Einstieg zu schlafen, denn es sah nach Niederschlag aus. Der Zustieg war die ersten 3h leicht und wurde schlagartig unangenehm als wir die Moräne des Gletschers erreichten. Ganz feiner Staub mit Steinen gespikt und teilweise 45° Grad. Wenn dies wenigstens Eis wäre, da würde man Steigeisen anziehen und gut. Hier jedoch rutscht jeder mal aus und klammert sich dabei verzweifelt an einen der wenigen aus dem Staub schauenden Steine um nicht entgültig den Abhang ins Geröllfeld runterzurutschen. Nun verstehe ich auch warum die Reisebüros im Ort schon vor einiger Zeit aufgehört haben gletschertouren anzubieten. Es ist schier nicht tragbar wenn weniger als die Hälfte der Kunden den Gletscher unversehrt erreichen. Auf dem Gletscher selbst war das Laufen wieder angenehm. Die Dimensionen sind einfach gigantisch was die Dauer des Zustieges erklärt. Wer sich hir hinten ein Bein bricht oder auch nur den Knöchel verstaucht hat unweigerlich ein Problem. Alles was hier zu Fuß reinkommt muß auch zu Fuß wieder heraus, denn einen Helikopter gibt es nicht. Wenn dan mal ein Hubschrauber in der Gegend ist wie im Dezember welcher für eine Bergung verwendet wurde, sind die Piloten nicht für solche Einsätze ausgebildet was leider mit dem Absturz deselben endete. Alles gute Gründe um wirklich Sicher zu gehen, dass sich niemand verletzt. Wir schliefen also beim Polaco Biwak und hofften der Wind würde am folgenden Tag abflauen. Beim ersten Tageslicht ging es los und die folgenden zwei Stunden waren leichte Kletterei in Geröll oder brüchigem Gestein. Zu meiner Freude bemerkte ich, das Pepe sehr vorsichtig beim Klettern war und mich bei manchen Stellen bat außerhalb der Fallinie der Steine zu warten bis er eine Passage überwunden hatte. Obwohl er keine Steine lostrat, gefiel mir diese Vorsicht, war sie doch hier wichtiger als sonst. Am Wandfuß angekommen bereuten wir es erneut nich an Ort und Stelle geschlafen zu haben, den es gab kein Wasser wie wir gehoft hatten. Wir mußten wieder etwas absteigen und seitlich queren um mühsamm ein Rinnsal in unsere Trinkflaschen zu bannen. Es ist zwar nicht sehr warm hier in den Bergen, doch durch die trockene Luft wird hier mehr Flüssigkeit benötigt, als bei 40° C Umgebungstemperatur. Wir mußten uns also die Zeit nehmen die 4 Litter abzufüllen, auch wenn die Zeit bei den 700 Klettermetern fehlen würden.
Endlich konnte es losgehen. Bei den leichten Längen zu Beginn war sogar eine richtig schöne 6a+ Verschneidung dabei. Das ließ auf mehr schöne Längen weiter oben hoffen. Kurz nach dem Ersten Aufschwung kam die 7b+ Crux. Eine Boulderstelle mit einem mäßigen Bolt über einem breiten Band. Erst nach lägerem Suchen fand ich eine Variante welche die vorhandenen Strukturen sinnvoll zusammenhängte. Leider blieb mir trotz etlicher versuche der Durchstieg dieser Stelle versagt, denn ich scheiterte immer wieder voll ausgefahren an der gleichen Stelle was sehr kraftraubend war. Um Zeit zu sparen begnügte ich mich mit den Einzelzügen und folgte den steilen Rißspuren entlang der Kante. Nicht nur der Fels war schlechter als erwartet, sondern auch die Absicherung. Wir hatten von jeder größe Friends genau 2 dabei und für den Stand wurden ja auch noch einige benötigt. Laut Topo sollte der 100m lange Riß in zwei Hälften geteilt werden was uns nicht gelang weil uns das Material ausging. Logische Standplätze gab es auch nicht und so hingen wir eher ungemütlich zweimal in den Rißspuren an der Kante ab um nachzuholen. Als wir weiter oben in ein Verschneidungssystem gelanngten besserte sich zumindest die Beschaffenheit der Standplätze. Wir in Patagonien typisch gab es keinerlei fixe Sicherungspunkte aber wenigstens aller 50 Meter was zum Stehen. Der Fels wurde eher schlimmer und die scharfen Granitkristalle zerschürften uns die Hände bei jeder erdenklichen Gelegenheit. Bald schon waren unsere Hände und Finger mit Schürfwunden überzogen doch blieb uns keine Zeit um vorsichtiger zu klettern. Einige diese kleine bösartigen Granitschuppen lauerten geduldig und gut geschützt in der Dunkelheit der Risse. Ähnlich eines Raubtieres lagen sie so auf der Laurr um sich dem unbedachten eilends vorbeikletternden unter die Fingernägel zu bohren. So wurde ich zu ihrem Opfer und durfte am eigenen Leibe erfahren, dass die Asiaten mit den Bambussprossen unter den Fingernägeln eine sehr effiziente Foltermethode gefunden hatten. Wir ließen die blutgierigen Risse hinter uns und atmeten auf, als wir am Ende der Verschneidung endlich auf rötlichen Fels trafen. Dieser ist zwar glätter aber von ausgezeichneter Qualität. So kammen fast zwei weitere Genußlängen dazu. aber ebend nur fast, denn ich war kurz unterhalb der Schulter und auf dieser bleibt der Schnee noch lange liegen bis er sich aus Angst vor der warmen Sonne in die Risse verkriecht und dort dem Kletterer das Leben erschwert. Die schweren Längen sowie der Großteil der Route lag bereits hinter uns. Ähnlich sah es mit dem Tageslicht aus. Aus diesem Grund verzichteten wir auf den Gipfel und die 5 leichten Längen damit wir noch etwas Tageslicht zum Abseilen hatten. Die Bilanz des Tag war ohnehin eher ernüchternd. Bei 18 Seillängen und ca. 600 Klettermetern waren nur 3 tolle Längen dabei. Wer will da schon die Statistik mit 5 weiteren bruchlängen und einem Notbiwak im Abstieg belasten. Noch dazu wenn die Übersetzung des Gipfelnamen "Desmochada" ohnehin "Ohne Gipfel" bedeutet. Sehr schnell bemerkten wir beim Abseilen wie richtig diese Entscheidung war. Die Abseile verlief abseits der Route und ist im Dunklen nur schwer zu finden. Manche Abseilstellen fanden wir auch im hellen nicht und opferten notgedrungen etwas Material. Das Abseilen gefolgt vom Abstieg dauerte noch bis spät in die Nacht hinein. Als uns dann der Lichtschein des fast vollen Mondes die gegenüberliegende Gipfelkette des Cerro Torre zeigte waren wir sogleich für unsere Überstunden belohnt und genossen unser Abendessen 2h nach Mitternacht.  So endete meine erste Kletterei im Torre Valley  wieder mit einem langem Fußmarsch wie sie begonnen hatte.
Die Headwall des Cerro Torre beim Zustieg

Pepe in der Tyrolian Traverse über den Fluss

Hier ist mal ein Gletschersee  ausgelaufen. Wer wohl den Stöpsel gezogen hat?

Gletscherfluß auf dem Gletscher wo man irgendwie rüber muss.

Der frühe Vogel fengt den Wurm. Jetzt gehts los.

3 Länge und eine der wenigen schönen noch dazu.


Da hofften wir noch, das der Fels oben im steilen besser wird.
Naja gut ist anders, aber wenigstens steil. Der 100m 7a+ Riß an der Kante.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Mermoz, Pilar Rojo

Nach dem letzten Fehlversuch einen kompetenten Partner zu finden war ich etwas vorsichtiger geworden und ging erst einmal ein paar Tage Boulder. Ja es klingt sehr komisch, wenn ich sage ich habe große Wände vor der Nase und gehe Bouldern. Ich wollte aber unbedingt mal wieder Klettern, ohne dafür tagelang Rucksäcke zu schleppen. Doch auch beim Bouldern war es typiscb südamerikanisch genau wie das Leben hier. Vormittags passiert gar nichts und gegen 16:00 Uhr geht es dann langsam los. Ich Boulderte etwas mit ein paar Leuten aus Chile und meine Fitness war alles andere als gut nach den letzten Wochen. Dafür hatte ich umso mehr Gelegenheit spanisch zu sprechen, denn englisch sprach kaum jemand. Am Abend brannten meine Fingerkuppen denen Fels mittlerweile fremd war. Da das wenige Spanisch aus der Uni nicht viel Vokabeln zum Thema Klettern enthielt, vergrößerte sich mein Wortschatz in diesem Bereich drastisch. Ein anderer positiver Nebenefekt war, dass Seba einer der fitteren Chilenen auch auf Partnersuche für die großen Wände war.
Nach zwei Tagen zusammen Bouldern beschlossen wir es mal an den kurzen Mehrseillängenrouten unweit des Ortes zu versuchen. Ich war nun etwas vorsichtiger und es gab ein neues zuvor nicht gekanntes Problem: Komunikation. Seba sprach kein Englisch und dies erschwerte vieles. Am Boden war die Kommunikation mit Händen und Füßen noch ausreichend, diese würde jedoch bei Seilkomandos und unvorhersehbaren Ereignissen an ihre Grenzen geraten. Zum Glück merkten wir bei der ersten Route nicht viel davon, denn der Wind war so stark das man kein einziges Wort verstand. Nur gut, dass wir uns vorher in einer für dritte lustig anmutenden Konversation auf die Reihenfolge der Seilaktionen geeinigt hatten. So waren wir beide sicher ebenfalls gesichert zu sein, sobald sich der kleine Haulbag nach oben bewegte. Nich das der Sack nötig gewesen wäre, aber dies erleichterte es ungemein und in den Bergen sei dies ohnehin meine bevorzugte Seiltechnik. Was soll ich also noch sagen es funktionierte, die Knoten kannte Seba und der Haulbag erreichte mit uns den Ausstieg. Nun mußten wir nur noch ein passendes Ziel für das kurze Wetterfenster in 2 Tagen finden. Etwas richtig großes kam wegen der Kommunikation nicht in Frage aber mit etwas ganz kleinem wollte ich die Gelegenheit nicht verschwenden. Da es auch dieses mal schief gehen konnte wollte ich mal ein wenig Neuland in den hiesigen Bergen sehen also nicht schon wieder Guillamet. Mein Vorschlag war deshalb an der Mermoz die Bernd Arnold Route "Pillar Rojo". Ein unschlagbarer Vorteil derselbigen ist, dass die Standplätze gebohrt sind und mann über den selben Weg abseilt welchen man herraufklettert. Doch keine Vorteile ohne Nachteile: Die 450 m lange Route hatte 16 Seillängen von denen nur wenige leichter als 6b waren und das war das schwerste was Seba bisher in den Bergen geklettert war. Zudem waten alles Risse und Seba war eher ein Wandkletterer. Auch der Zustieg über den Gletscher und die 200m über mehrere Bergschünde und 60° Grad steilen Schnee bereiteten ihn unbehagen da er damit keine Erfahrungen hatte. Zusammengenommen war es eine nicht alzu lange aber anhaltend schwere Route in der von allem etwas verlangt wurde.
Ich konnte Sebas Zweifel zerstreuen und wenig später ging es los. Wir zelteten am Passo Guillamet und es war extrem kalt am Abend. Da es am Pass kein Wasser gab, mußten wir aufwendig Eis schmelzen um Wasser für das Abendessen und den kommenden Tag zu erhalten. Die Schatten von Fitz Roy und umliegende Gipfel wurden immer länger und es wurde ein kurzer Abend. Am folgenden Morgen ging es zeitig los merkten jedoch am Bergschrund das wir zu spät dran waren. Die extrem intensive Sonne hatte bereits eine Stunde nach ihrem Aufgang die letzte der 3 Spalten im steilen Schnee soweit aufgeweicht, dass die Eisgeräte wie ein warmes Messer durch Butte schnitten und die kurze senkrechte Stufe zum Problem wurde. Mit jeder Minute die weiter verstreicht würde es problematischer werden den Bergschrund zu überwinden. Deshalb entschieden wir uns aus einer Stufen im Gletscher das letzte Stück zu Sichern, da man dort weningstens eine Eisschraube drehen konnte. Ich probierte es anfangs mit graben um die Stufe zu Uberwinden, merkte aber bald das es eher schlechter als besser wurde. Mit viel Gefühl und vor allem ohne Rucksack mogelte! mich seitlich über die Stufe. Als Seba mit Rucksack nachstieg zeigte es sich das wir alles richtig gemacht hatten, denn er viel 4 mal ins Seil und nur durch kräftige ziehen kam er über die Stufe. Endlich waren wir am Fels und die Risse sahen einladend aus. Am morgen war es schön sonnig, da wir in einer Ostseite kletterten. Zwei Längen vor uns kletterten Matteo und Luca von denen wir bereits am Vortag wußten, dass sie das gleiche Ziel wie wir hatten. Da die beiden bereits ein eingespieltes Team sind, war dies auch die gewünschte Konstellation für zwei Seilschafften im Pillar Rojo.
Endlich war ich dort wo ich hin wollte, an schönen Granitfelsen mit einem Ambiente, das es mir schier den Atem raubte. Der Granit in dieser Wand ist von extrem guter Qualität was man fast immer an der leicht rötlichen Farbe erkennt. Die Risse waren meist trocken und nur an 3 oder 4 Stellen nass oder vereist. Dies machte die Kletterei nur noch interessanter vor allem weil dies für mich die scherste Stelle der Route war. Nicht das die Risse leicht sind, denn es ist anhaltende Rißkletterei im oberen 8ten Sachsengrad. Wie bereits vermutet vielen Saba die Risse nicht leicht und er wolte nur noch Nachsteigen. Dennoch wurde das Grinsen in seinem Gesicht immer breiter je höher wir kammen die Längen waren auch für ihn genial. Dennoch war er beits nach der hälfte der Route auf anschlag und er wurde immer ruhiger und langsammer. Ich redete im gut zu und zählte die Längen rückwärts bis wir es geschafft hatten. Bei der letzten franz 7a Länge ganz zum Schluß mußte auch ich noch einmal richtig kämpfen, damit ich mir meine on sight Begehung sichern konnte. Zum Ende merkte ich, dass auch mir die Längen immer schwere fielen als am Anfang und das mein Spanisch mit zunehmender Erschöpfung immer schlechter wurde. So war die Freude zwar groß und mit 8h waren wir gar nicht mal so viel langsamer als Matteo aber wir mussten uns beeilen wieder nach unten zu kommen. Es kann immer wieder vorkommen, das sich beim Abziehen ein Seil verhängt und dann mußte man diese Länge noch einmal Klettern. Zum Glück passierte dies nur ein einziges mal kurz vor dem Schnee. Weiterhin stellten wir erfreut fest, dass wir nicht den 60° Grad Schnee abklettern mussten sondern entlang der Felsen abseilen konnten. Dies war auch besser so, denn der Schnee war noch immer von der Sonne so aufgewärmt, das wir in Ebenem Gelände Knietief einbrachen. Dies erschwerte uns den Rückweg massiv und wir erreichten im letzten Tageslicht glücklich unser Zelt. Seba hörte nicht mehr auf vor freude zu stahlen und auch ich war zufrieden. So ging ein toller Tag zu Ende und ich kam zu meiner ersten und was die Felsqualität angeht vielleicht zu besten Route in Patagonien. Leider war Seba am nächsten Morgen so geschafft das aus meiner Idee in der Nähe des Biwaks noch eine kürzere Route zu klettern nichts wurde und wir ins Tal abstiegen.
Gletscherzustieg am Morgen, eine traumhafte Stimm

am höchsten Punkt des Schneefeldes und etwas links beginnt unsere Route


Seba in der 2. Länge

Die 4. lange und Crux da eisig im Dach über mir aber dennoch Bildhübsch

Eine ganze Länge nur Handries aka Manos al cielo

Pillar Rojo 3 letzte Länge mit immer länger werdenden Schatten des Gipfels und vom Fitz Roy

Impressionen der abendlichen Gletscherwanderung

Seba ist happy, endlich geschafft
Der Schatten von Fitz Roy

Samstag, 31. Januar 2015

El Chalten Teil 2

Der Tag war irgendwie verhunzt, erst haben wir den Einstieg verpaßt und ich mußte 1 h lang über dieses unangenehme Schneefeld spuren um dann auf der Gegenseite wieder abzuseilen und dann war unsere Route auch noch naß bzw vereist war." Eigentlich kann es nicht mehr viel schlimmer kommen ohne das sich einer von uns uns verletzt!" dachte ich noch so bei mir. Naja es gibt halt Tage da kommt alles auf einmal. Als ich nach 2 feuchtkalten Seillängen den kleinen Haulback hinterherziehen wolt gab es nur einen kleinen Ruck und dann flog der Haulbag durch die Luft und sauste den steilen Gletsch hinab außer Sichtweite. Greg wollte weiterklettern, aber für mich war die Sache klar, wir mussten Abseilen und retten was zu retten war.

Wie zuletzt beschrieben kam ich Vormittags bei gutem Wetter in El Chalten an und wollte nicht viel Zeit verschwenden. Noch auf dem Weg zu meiner Unterkunft lehrte ich ein amerikanisches Pärchen (Greg und Kate ) kennen welche für die nächsten zwei Wochen eine Unterkunft suchten und Greg jemanden zum Klettern. Das klang alles so verlockend, dass ich nicht nein sagen konnte denn somit hatten sich ja scheinbar gleich zwei Probleme auf einmal gelöst. Das mit dem Geld, da ich ihren Anteil der Miete bar bekomme würde und das mit dem Kletterpartner. Greg erzählte wie toll er klettern konnte und in der Euphorie des packens und des schönen Wetters vergaß ich meine Skepsis Amerikanern gegenüber. Das Wetter sollte noch bis zum morgigen Tag gut sein und das wollte ich gerne nutzen. Jetzt erwachte die Motivation welche während der letzten Wochen im Schneesturm eingefrohren war zu neuem Leben. Bis zu diesem Augenblick war mir allerdings noch nicht klar, dass man an den tollen Bergen in der Nähe von El Chalten nicht einfach so klettern gehen kann, weil die Zustiege fast einen Tag in Anspruch nehmen. Ich sollte erst später feststellen, dass man in diesem Teil von Patagonien das Gefühl hat einen Marathon zu laufen nur um einige hundert Meter Granit zu Klettern. Greg und ich suchten uns ein Ziel mit einem möglich kurzen Zustieg um am folgenden Tag noch etwas Klettern zu können. Als Ziel wählten wir die Westseite der Aguja Guillaumet welche nach einer 15 km Schotterstrasse welche man im Idealfall trampt nur noch 7h Zustieg hat. 1-2h vorher hat es einen beliebten Biwakplatz (Piedra del Negro) bis zu welchen wir heute noch laufen wollten. Wir mußten uns also beeilen um noch im letzten Tageslicht dort anzukommen. Da blieb keine Zeit mehr noch mal ein Route miteinander zu Klettern. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen aber naja. Der Zustieg passte zeitlich gerade noch so und ich war am Biwakplatz angekommen ganz schön hungrig und geschafft. Da bis vor kurzem noch nicht klar war wie ich das Essen für die nächsten Wochen bezahlen soll, hatte ich außer der 4 Scheiben Brot zum Frühstück nichts weiter gegessen. Die Nacht war kurz und für Patagonien sehr ungewöhnlich sogar windstill. Am Morgen ing es Zeitig aus den Federn. Da ich von oben bis unten mit Daunen bedeckt war, wurde ich daran erinnert, das ich ja die gerissene Naht meines Daunenschlafsacks noch reparieren mußte. Obwohl es die Nacht nicht sehr kalt war, waren doch alle Gletscher und Schneefelder überfrohren. An dieser Stelle war ich froh, entgegen den Empfehlungen anderer die steigeisenfesten Schuhe an zu haben. Greg hatte nur seine Zustiegsschuhe und ein paar Aluminiumsteigeisen was in der Kombination genauso gut auf dem gefrohrenem Schnee war. Wir kamen jedenfalls gur voran, bis wir zu ein paar 5er Reibungsplatten kamen welche wir für 300m queren mußten und welche unter uns steil in einen Gletscher abbrachen. Diese Platten waren stellenweise vereist, was aber durch fest installierte Fixseile sehr unproblematisch war. Mir viel das queren nicht gerade schwer, aber Greg konnte sich selbst mit einem straff gespannten Fixseil nur schwer auf seine Füße stellen. Ist schon irgendwie komisch wo doch gerade ein Kletterer besonders trittsicher sein sollte. Es folgte wieder ein Schneefeld auf welchem bisher keine Spur zum Einstieg führte. Ich dachte mir nichts dabei und so spurte ich halt die 900m steiles Schneefeld bis zu den Felsen. Das Problem bestand allerdings darin, das es Firn war und ich für jede Stufe 4-5 mal kräftig in den harten Schnee hacken mußte um eine halbwegs sichere Trittfläche zu schaffen. So dauerte dies eine geraume Zeit und als wir an den Felsen ankamen merkten wir, dass wir uns nur auf einem Felsgrat vor dem Einstieg befanden und wir schon deutlich oberhalb unseres Einstieges befanden. Da es bereits anderen vor uns so ergangen war, gab es schon eine Abseilstelle und wir seilten auf der Gegenseite wieder ab. Da war also die ganze Arbeit des spurens umsonst gewesen. Naja passiert halt wenn man sich vor Ort nicht auskennt. Also kamen wir irgendwann am Einstieg an und unsere sah Route feucht und kalt aus. Naja ich dachte mir das gleiche wie in Squamish " Wenn die Routen hier meist nass sind, dann muss man sich daran gewöhnen nasse Routen zu Klettern". Nach feuchtfröhligen 40m machte ich Stand und Greg stieg nach extrem ungelenk hinterher. Es war erneut komisch, dass er sich auf der Wand abmühte wo er doch einen perfekten Handriß vor sich hatte. Scheinbar mochte er keine Riße denn ich sollte auch die nächste Länge noch vorsteigen. Na das konnte ja was werden bei einer 450m Rißlinie dieselbigen nicht zu mögen könnte unangenehm für Greg werden. Doch so weit sollte es gar nicht erst kommen. Am nächsten Stand hängend wollte ich gerade den Haulbag hinterherziehen als es passierte. Das Seil spannte sich nur ganz kurz und der Haulbag flog die 100m bis auf den Gletscher. Nachdem er sich mehrfach überschlagen hatte schlitterte auf dem steilen Gletscher außer Sichtweiter. Zu blöd, das der Gletscher nach mehreren hundert Metern 500m senkrecht abbricht und alles was über diese Kante rutscht unweigerlich verloren ist.Greg wollte Weiterklettern aber für mich war das Klettern für heute erledigt das waren schon zu viel Pech für einen Tag und man soll sein Glück ja nicht zu weit ausreitzen. Immerhin habe ich gerade alle meine Klamotten verloren dazu mein Foto mit allen Bildern. Ich plädierte also für abseilen und bat Greg das Seil am Standplatz mit einem Sackstich zu sicherern was er mir auch bestätigte. Während ich abseilte fragte ich mich, wie das mit dem Sack passieren konnte und ich mußte nicht lange Knobeln. Als ich zum Stand abgeseilt war, sah ich wo das Problem lag. Mein Seil war nicht mit einem Sackstich gesichert sondern mit einem Schleifknoten und an der Stelle wo der Haulbag hängen sollte baumelte nur ein einfacher Knoten im Seil. Ab dieser Stelle wurde es mir mulmig. Wenn jemand den einfachsten Knoten nicht kann, auf was konnte man sich dann verlassen? Ich verträngte diesen Gedanken, konntrollierte aber alles was Greg machte den es definitiv kein Sprachbroblem. Nicht das jetzt beim Abseilen noch etwas passiert immerhin hatte Greg auch so schon ein großes Problem, denn seine Schuhe waren im Rucksack und mit Kletterschuhen 2h über den Gletscher zu Laufen ist kein Spaß. Glücklicherweise lag ein Schuh unweit des Einstieges auf einem Band weil dieser aus dem Rucksack geschleudert wurde. Ähnlich war es mit vielen anderen Sachen welche verstreut auf dem Gletscher lagen. Also war doch nicht alles verloren. Ich machte mich auf dem Abstieg und fing an die Löcher auf dem Gletscher abzusuchen um nicht den zweiten Schuh zu übersehen. Es war ein bisschen wie Ostern, denn hier lag ein Müsliriegel und dort ein Pulover. Als ich weiter abgestiegen war und um die Ecke schauen konnte, sah ich kurz vor dem Gletscherbruch etwas gelbes liegen. Scheinbar hatten wir doch noch nicht alles Glück aufgebraucht, denn ein kleiner Schneerutsch der Vortage etwa1m breit hatte den Schnee etwas aufgehäuft und den Haulbag gestoppt. Ich beeilte mich abzusteigen um zu schauen was noch vorhanden war. Nach einer kurzen Inventur war lediglich meine Trinkblase der Platypus hatte den Sturz nicht überlebt und lekte. Alles andere war vorhanden und intakt. Es hätte schlimmer kommen können, aber das mit dem Klettern hatte sich erst einmal erledigt das war mir nun nichts mehr. Wir stiegen noch am gleichen Tag ab und als Bilanz kann man wieder mal sagen, dass ich wieder mal 14h umsonst wandern war und das um 2 Seillängen zu Klettern. Zudem würde ich ab jetzt meine Partner noch vorsichtiger wählen. Das traurigste an der ganzen Sache ist, dass ich das schöne Wetter weiterhin dafür verschwenden muss einen Kletterpartner zu finden.
Leicht unterwegs sein ist hier. Mitte Links Gujamet und Mitte Rechts Mermoz.

Specht

Piedra del Negro

Poincenot und Fitz Roy von El Chalten

Condor

Verhauer im Zustieg

Querung zur Westseite der Guijamet.


Sonntag, 25. Januar 2015

El Chalten Teil 1



El Chalten von den naheliegenden Felsen aus gesehen. Rechts hinten sieht man den Fitz Roy.
Die Zeit mir Issy ging schneller zu Ende als gedacht. Eigentlich sollte Rüdiger ihn ablösen um dann mit mir nach El Chalten zu fahren aber daraus wurde leider aus gesundheitlichen Gründen nichts. Wie Hohn war das Wetter nicht nur gut sonder top und ich war ohne Partner. Bereits auf dem Weg nach El Calafate konnte man von weiten Fitz Roy und Cerro Torre sehen, was dahingehend bemerkenswert ist, das es schon viele Leute gab, die 3 Wochen in El Calafate direkt vor Ort waren und den Gipfel nie zu Gesicht bekammen. Nun sahen wir beide Gipfel aus 100 km Entfernung und ich fragte mich, ob ich das schöne Wetter überhaupt nutzen könnte ohne Partner oder wie ich schnell einen Partner finden würde. Die überlegung war noch nicht besonders weit gediehen als ein anderes Problem uns vollkommen einnahm. Issy wae ja noch win paar Stunden da und wollte noch Souveniers kaufen und ich dafür etwas Geld abheben. Was sonst die normalste Sache der Welt ist, wurde zum Ding der unmöglichkeit. Keiner der 5 Geldautomaten im Ort spuckte Geld aus und meine Visa Karte wurde gab immer eine Fehlermeldung aus, wenn ich damit bezahlen wollte. Was also machen damit ich die nächsten 4 Wochen zurecht komme? Zumindestens um die Übernachtung musste ich mich nicht sorgen, das war im vorraus schon geregelt. Ich mußte jedoch noch irgend etwas Essen und ca 50€ für den Bus nach El Calafate und zurück bezahlen. Da Issy keine Kreditkarte dabei hatte, weil diese aus ungeklärten Gründen von Vietnam aus überzogen und dann gesperrt wurde haten wir auch keine zweite Karte.
Es gab leider nur eine Möglichkeit. All unser verbleibendes Geld zusammen zu kratzen und nur das nötigste nur kaufen. Issy verzichtete dafür auf alle Souveniers und gab mir seine restlichen Euro und fuhr mit lediglich 20 Euro und dem Geld fürs Taxi in der Tasche nach Hause. Später stellte sich herraus das es auch bei ihm zu wenig war und es weder fürs Taxi noch als Notreserve reichte. Wer konnte auch ahnen, dass die Fluggeselschaft, welche auf dem Hinflug 2 x 23 kg Gepäck erlaubte auf dem Rückflug nur 2 x 15 kg zuläßt. Mit gutem Zureden konnte Issy sowohl den Taxifahrer als auch die Dame am Check-in mit dem wenigen was er hatte abspeisen und kam bis nach Hause.
Egal wie, auch bei mir würde das so knapp werden, dass mir weniger als 100 € zum Essen bleiben würden. Das klingt vielleicht viel in Südamerika, aber leider sind Lebensmittel in El Chalten nicht gerade billig. Selbst 500g Nudeln kosteten 1,5 €. Ist schon komisch, ich hatte mir irgendwie vorgestellt, dass ich spannende Klettererlebnisse haben würde in El Chalten. Nun ist alleine genug Essen zu bekommen spannen. Da ich ja immer versuche positiv zu Denken kann ich es ja so sehen das weningstens der Zustieg in diesem Fall kurz ist.

Sonntag, 18. Januar 2015

Wildes Patagonien


Auf der Fähre

Unsere Biwakhöhle

Unsere unbeschreiblich schöne Umgebung

Aleta de Tiburon (Die Haiflosse)

Klettern am markanten Grat der Aleta de Tiburon

Unsere eigentlichen ziele sehen wir leider erst am letzen Tag bei passendem Wetter

Zwar eiskalt aber endlich schönes Wetter

Am Einstieg





Ich schrecke aus einem unruhigen Schlaf hoch und liege eingepfärcht im Portalege. Um mich herrum brüllt der Wind und wir werden kräftig durchgeschüttelt. Der Sturm tobt unvermittelt weiter und wir bekommen kaum ein Auge zu. Wenig später hebt es uns vollständig aus und Issy starrt mich entsetzt an. Wie war dies möglich? Wie konnte dies geschehen und wie sind wir überhaupt in diese Lage gekommen?

Alles fing ganz harmlos an und vor allem wußten wir noch nicht, dass wer sich auf eine Reise nach Patagonien begibt immer eine Reise ins Unbekannte macht. Nichts läuft wie geplant und mit dem Wetter kann man sowiso nicht rechnen.

Wie alle Kletterer im Park mußten wir uns zunächst die nötigen Unterlagen bei der Parkadministration abholen wodurch ein halber Tag verloren ging. Dann kam das worauf wir uns am weningsten gefreut haben: Der Zustieg. Obwohl jährlich tausende Leute zum Trekken nach Patagonien fahren fanden wir keinerlei gefallen daran und wurden noch dazu ziemlich blöde angeschaut. Es mag wohl daran liegen, dass wir alle Strecken dreimal laufen durften und das wir meist in Begleitung eines riesigen Rucksackes waren. Die Kommentare der anderen Trekker waren zum Teil recht einfallsreich: " Hast du da jemanden im Rucksack der zu faul ist zu laufen?" Seid ihr sicher, das ihr dort mit den riesigen Rucksäcken hochlaufen wollt, das macht niemand mit Rucksack ( Da Sackgasse) Ja die Trekker sind schon ein aufmerksammes Volk, als Issy unseren Weiterweg scoutete meldete sich schon die erste Dame das dies einen negativen Einfluß auf das Paarungsverhalten irgentwelcher Tiere hat. Ja es war witzig aber die Aussicht beim Laufen waren grandios. Zudem haben wir gelernt, dass man sich gerade dann mit dem Zustieg besser beschäftigen sollte, wenn man vermeiden will seinen Rucksack 1h im kreis zu tragen. Da wir es am Abend nicht bis zu unsere Grotte schafften schliefen wir 1,5 h vor unserem Ziel. Da es leider in strömen goss und wir kein Zelt dabei hatten hingen wir kurzerhand das Portaledge mit Rainfly an einen Baum. Leider waren am Morgen durch das Kondeswasser und den Regen alle unsere Sachen nass. Wenn das Wetter jetzt mehrere Tage so bleibt heißt es erst einmal frieren. Ab jetzt ( ab Campo Britanico, was leider nicht mehr als solches existiert) ging es abseits der Hauptwege weiter und das auch nur mit Sondergenehmigung. Einige Flüsse die wir überqueren mußten waren so angeschwollen, dass wir sehr lange nach einer Möglichkeit zum überqueren Ausschau halten mußten. Zum Glück hatte es aufgehört zu Regnen und so erschien uns die Hochebene in welche wir kamen wie ein Paradies. Zarte Bergwiesen garniert mit Boulderblöcken und einem klaren Bach. Auch Tiere konnte mann mit viel Geduld sichten wenn man sich in aller Ruhe hinsetzte. Dazu sollten wir später noch viel zeit finden, aber vorerst waren wir auf der Suche nach einer versteckten Höhle, welche auch schon anderen Expeditionen als Basislager diente. Wir waren schon fast am Ende unseres Lateins, nachdem wir unter jeden größeren Stein geschaut sowie in enge Spalte gekrochen waren als sich unsere Zuflucht in der 2. Etage mehrerer übereinander liegender Blöcke fand. Mir rutschte sogar ein Heureka heraus, weil mehrere Wochen in der Tropfsteinhöhle von Portaledge Schlafen, war eine grausamme Vorstellung. Doch die Höhle war perfekt. Nach dem 2 mal Laufen richteten wir uns erst mal häuslich ein und in der Sonne bekamen wir glücklicherweise alle unsere Sachen trocken. Trotz unserer Blessuren richteten wir uns am nächsten Tag aufs Klettern ein und da man in Patagonien wegen des Abwechslungsreichen Wetters eine 1000m Wand nicht an einem Tag schafft hieß es die 3h Zustieg über endloses Geröll und Schnee wieder nur Schleppen. Wir sind sogar auch eine Länge geklettert, aber Nasser und brüchiger Fells mit nahezu vorsätzlich schlechter Absicherung ließen uns bald die Route abbrechen. So kam Issy zu seinem ersten 10m Sturz in eine Schraube die aus der Wand schaute und wir entschieden uns nach 4 Tagen schleppen, endlich mal für einen Ruhetag im Basislager. Damit die Schlepperei nicht umsonst war verstauten wir das Material unter einem großen Felsblock in der Nähe des Einstieg.
Die 2 Tage im Basislager taten uns beiden gut und die schmerzenden Knie und wunden Füsse regenerierten sich von selber. In den Schönwetterpausen war Zeit die Natur zu beobachten und das grandiose Ambiente zu bewundern. Sogar aus der Höhle schaute man direkt auf dem Central Tower der Tores del Paines. Wenn das kein Luxus ist. Auch Taghell war es in der Grotte, denn der Schnee oder die Wolkendecke reflecktierten ausreichend Licht in die nach unten abfallende Bleibe.
Mit jedem Tag der Ruhe stieg unsere Motivation und so waren wir bald fündig auf der Suche nach einem anderen Ziel. Wir fassten den Cerro Cotta mit der 600m langen Via Italia ins Auge und trotz mäßigem Wetterbericht ging es früh am 4.1 los.
Der Fels war besser als bei der vorhergehenden Route und wir genossen das Klettern. Wir hatten eigentlich nur 200m zu Klettern, aber das Haulen hielt uns ganz schön auf. Als sich dann der Himmel zuzog und es zu schneien anfing kam eins zum Ander. Das angepeilte Band war zum aufhängen des Portalege nur schlecht geeignet, da der einzige Haken nur 30cm über diesem hing. Also mussten wir weiter und ehe Issy die nächste Länge beendet hatte waren gefühlt Stunden vergangen und ich fühlte mich wie ein Schneeman. Eine tolle Stelle für das Portaledge hatten wir nicht, aber eine Felszacke schien zumindenst geeignet. Das Schneetreiben hatte sich inzwischen zu einem Schneesturm ausgewachsen. Ein Portalege aufbauen unter diesen Umständen schien fast unmöglich und noch bevor wir damit begonnen hatten, waren unsere Finger Taub vor Kälte. Die Stangen flatterten im Wind und da alles eine Ewigkeit zu dauern schien war alles klitschnass. Das Rainfly was man sonst wie ein Zelt über das Portalege zieht ließ, wurde vom Wind immer wieder nach oben geblasen und füllte sich wie ein Fallschirm mit Luft. Für diese Last war es nicht ausgelegt und es drohte zu zerreisen. Mit letzter Mühe schafften wir es unser Segel einzuholen bevor es zerriß. Dies wäre das entgültige aus für die Route und wir hätten im Sturm abseilen müssen. Als das Rainfly halbwegs saß waren wir noch lange nicht fertig und es sollte noch über eine Stunde vergehen ehe ich mich zu Issy in die Tropfsteinhöhle gesellen konnte. Selbst ein mit 2 Personen besetztes Portaladge übersteht in einem Sturm keine Stunde, wenn dieses nicht an allen 4 Ecken nach unten festgebunden ist. Der Sturm hebt alles einfach nach oben aus und wenn man mehrfach heruntergekracht ist hat man nur noch Einzelteile. Also band ich die 4 Ecken zuerst an mir fest und kratzte mit dem Klemmkeilentferner Eis und Dreck aus den Querbändern bis ich je 2 Ecken an einem Friend so straff es mit eiskalten Fingern ging nach unten gesichert hatte. Da die Haulbags halbwegs geschützt unter dem Portalege hingen musste ich erst alle notwendigen Sachen zu Issy hereinreichen bevor ich mich dazugesellen konnte.
Da das Aufbauen sehr lange gedauertnhatte war auch im Portalege alles voll Schnee oder nass. Da wir froren fiel das Abendessen recht knapp aus und wir verschwanden schnell in unseren Schlafsäcken. Da die Außenwände Tropfnass waren war Issys Daunenschlafsack schnell ebenfalls nass und wärmte kaum noch. Wir konnten den Schaden mittels Abdecken durch Regenjacken nur begrenzen. Da ich auf Empfehlung eines erfahrenen Patagonisten einen dünnen Kunstfaserschlafsack über meinen Daunenschlafsack zog, blieb ich zumindest warm. Ob warm oder kühl, wir bekamen in dieser Nacht kein Auge zu, denn der Sturm tobte mit unvermittelter Stärke weiter. Mehrfach wurde das Portalege trotz Abspannung ausgehoben und ich füchtete wenn einer der Friends an jeder Seite aus den vereißten Querrissen gerissen wird, dann ist es um unsere kleine Insel in diesem Schneesturm geschehen. Wir lauschten wie gespannt wenn der Wind von Neuem aufheulte und hielten den Atem an wenn das Portalege wie eine Waschmaschiene im Schleudergang durchgerüttelt wurde. Wie man sich sicherlich vorstellen kann war dies eine lange Nacht und unsere Nerven lagen blank. Wie erleichtert waren wir als es draußen wieder hell wurde. Das Kondenswasser war inzwischen zu Eis erstarrt aber ein neuer Tag verhieß neue Hofnung. Der Sturm tobte zwar am nächsten Tag weiter, aber etwas Sonne heizte das Rainfly ausreichend auf, dass wir mit gut Lüften der Herr über die Nässe wurden. Auch erneutes Abspannen nach unten machte uns etwas zuversichtlicher auch die nächste Nacht heil zu überstehen. Was die nächsten zwei Tage folgte war alles andere als schön und der kurze sonnige Abschnitt erschien uns wie der Aufentalt in einem Luxushotel. Der Sturm tobte schlimmer als zuvor und das brüllen des Windes schüchterte uns extrem ein. Es war nicht daran zu denken, das Portalege zu verlassen denn draußen herrschten lebensfeindliche Bedingungen bei denen selbst das Abseilen kein sicheres entkommen bot. Also hieß es aushalten bis sich das Wetter bessert oder zumindest der Wind etwas legt. Doch es war alles andere als eine Idylle unter unserem Rainfly. Wir hatten erneut Probleme mit Kondenswasser nur das es dieses mal gefroren war und der Wind schüttelte die Eiskristalle auf uns herunter und alles war voll Schnee. Wenn du kurz vorm Wegnicken bist, haut dir jemand Schnee ins Gesicht - fetzt. Die Schlafsäcke wurden nässer und nässer und wir wollten uns so wenig wie möglich bewegen um nicht noch nässer zu werden. Nässe in diesem Zustand bedeutet frieren und selbst in unserem hängenden Zelt herschten -2°C. Also blieben wir 2 Tage liegen und machten uns auch keinen warmen Tee. Genausogut hätten wir uns auch den Tee direkt auf die Schlafsäcke kippen können, denn eins war gewiss die Feuchtigkeit der Kondensation würde früher oder später unser aus sein. Issys Daunenschlafsack war bereits so nass, dass er nur noch duch das Auspolstern mit unseren zwei Daunenjacken die Körpertemperatur im Schlafsack halten konnte, denn Daune wärm leider nicht im nassen Zustand. Dieser Zustand zermürbte und war auch nur eine trügerisch Sicherheit, denn das Überzelt blähte sich nur alzu oft sehr bedrohlich. Ein kleiner Riß in dem Material und wir wären dem Sturm schutzlos ausgeliefert. Die letzte Nacht war dann noch einmal eine Steigerung des Ganzen. Was anfangs nur heftige Windböhen waren die uns kräftig durchschüttelten war jetzt ein Dauerzustand von den Böhen ganz zu schweigen. Wir waren uns nun sicher am nächsten Morgen den Rückzug anzutreten wenn das Material noch so lange durchhält. Die Nerven lagen Blank und wir hängten unsere Schuhe und die Regenjacken sicher befestigt in unsere Reichweite. So wäre es uns wenigstens möglich gewesen nach dem kollabieren unserer kleinen Seifenblase nicht barfuß und ungeschützt 4 m unter dem Fixpunkt zu hängen und uns aus den Schlafsäcken zu schälen. Selbstverständlich waren wir an 5 mm Dynemaschlingen festgemacht, aber halt so lang, dass wir im liegen die Schlafsäcke schließen konnten. Mit den Schuhen in Reichweite hatten wir wenigstens eine reele Chance uns die 5 m an den Dynemma Schlingen hochzuziehen um an das andere Material zu kommen. Als das brüllen des Sturmes in der Nacht noch einmal zunahm, setzte ich mir im Schlafsack schon die Stirnlampe und den Helm auf nur um etwas besser dran zu sein auch überlegte ich ob ich schon die Schuhe bereits im Schlafsack anziehe sollte. Da diese aber nass waren verwarf ich die Idee jedoch. Jedenfalls überstanden wir die Nacht und wollten nun nichs wie runter. Wir hatten lange genug überlegt wie wir alles Material und auch alle Seile nach unten bekommen würden und alles lief wie geplant, weil der Wind etwas gedreht hatte. Das Timing hätte perfekter nicht sein können, denn kaum das wir am Wandfuß standen brüllte der Wind seinen Ärger das wir ihm entkommen waren in die Wand hinein. Erst jetzt merkten wir auch das so unpraktisch uns die Stelle für das Portaledge auch erschienen war das sie einen entscheidenten Vorteil hatte: Es lag in einer kleinen Mulde der Wand und bot zumindest ein klein wenig Schutz. Nun waren wir dem Wind voll ausgeliefert und dieser tobte mit Orkanstärke. Wir wurden samt unserer 40 kg Rucksäcke wie Spielzeug einfach auf den Boden und wir konnten nichts dagegen machen. So dauerte der Abstieg über die steilen Schrofen und die unwegsammen Geröllfelder 6h statt 3h. Es war der reinste Spießrutenlauf und irgendwann waren wir so erschöpft, das wir nur noch stumpf vor uns hinliefen. Wir hatten einen Zustand erreicht in dem alles automatisch zu unserem Ausgangspunkt zurücklief. Bis hierhin hatten wir verzweifelt versucht gegen den Wind anzukämpfen ja sogar ihm unseren Frust entgegengeschriehen. Doch der Sturm zeigte uns jedes mal wer den längeren Atem hat. Wenn wir wieder einmal vom Sturm niedergestreckt am Boden lagen kämpften wir nicht mehr dagegen an um aufzustehen, sondern warteten, bis dieser kurz nachließ um uns wieder aufzurappeln und uns weiterzuschleppen. Ich brauche ja nicht beschreiben wie sehr wir uns freuten in unserer Grotte die Säcke abzuwerfen und ein paar trockene Sachen anzuziehen. Was für ein schönes Gefühl nach 4 Tagen wieder hier an unserem Ausgangspunkt zu sein.
Wir waren zwar geschlagen aber irgendwie zufrieden hier in Sicherheit zu sein. Das es in jedem Fall die richtige Entscheidung war zeigte sich in der folgenden Woche. Der Sturm tobte unvermindert weiter und nahm sogar noch an Stärke zu. Als dann in einer Nacht ca. 50 cm Neuschnee dazu kamen hatten wir einige Mühe selbst die geschützte Grotte gegen den hereinbrechenden Winter zu verteidigen. Zum Glück lagen wir im hintersten Teil der Höhle, denn nach 3 Nächten war der vordere Teil trotz Rainfly und Rucksäcke die den Eingang versperrten zugeschneit. Wir verließen die Schlafsäcke nur noch wenn es gar nicht anders ging und warteten auf besseres Wetter. So verronn unsere wertvolle Zeit, ohne das überhaupt an Klettern zu denken war aber unsere Stimmung blieb unverändert gut.

Es ist egal wie man sein Zeit verbringt, solange man die richtigen Leute an seiner Seite hat.

Als der Wetterbericht Besserung versprach war es leider zu spät für unsere großen Wände. Wir hatten noch maximal 2 Tage und das nur dann, wenn wir in nächtlichen Gewaltmärschen das Material zurück zur Fähre schleppten. Wir hatten uns bereits damit abgefunden und sahen es eher positiv , dann haben wir wenigstens auf dem Rückweg schönes Wetter. Wer läuft schon gerne im Regen. Ich war schon sehr über mich erstaunt, dass ich diese Umstände so gelassen hinnahm, denn 3 Klettertage in der ganzen Zeit sind wahrlich nicht viel. In vorangegangenen Urlauben hat man in 3 Wochen bereits mehrere tausend Klettermeter zurückgelegt. Nicht so in Patagonien aber dafür war viel Zeit zum Nachdenken und auch die anderen Strapazen gingen nicht spurlos an einem vorüber. Der letzte Tag vor dem Abmarsch hat uns zwar noch eine kleine Route am "Aleta de la Tiburon" beschert.
Nun hat die Schlepperei ein Ende. Wir stehen wieder an der Fähre wo unser Weg began und haben keine unsere Routen geklettert.

War nun alles umsonst und sinnlos?
Ganz im Gegenteil, denn Persönlichkeit zeigt sich besonders beim Umgang mit Niederlagen. Somit waren die vielen Eindrücke und Erlebnisse auf unserem Weg wieder ein Stück auf dem Weg zu uns selbst.

Zudem weiß man erst wieder zu schätzen wie bequem es zu Hause ist, wenn man dem Komfort eine Weile entsagt hat.


Wir hatten zwar nicht unsere Route beendet doch waren um einige Erfahrungen reicher. Dies reichte aus, um mit dem Wenigen was wir bereits vorher hatten noch zufriedener zu sein.


Da manche Leute meinen ich schreibe zu viel hier eine kurze Zusammenfassung:
- 3 Tage Klettern
- 10 Tage Schneesturm
- 8 Tage Rucksack schleppen
- Rest an und Abreise

P.S. Die Reihenfolge ist rein zufällig und sagt nicht zur Beliebtheit der Tätigkeit aus.
So toll ist Rucksacktragen


Nass, schlecht gesichert und schwer was will man mehr?


Blick bei der Fahrt mit der Fähre

Guanako


Der Mondaufgang aus unserer