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Sonntag, 25. Januar 2015

El Chalten Teil 1



El Chalten von den naheliegenden Felsen aus gesehen. Rechts hinten sieht man den Fitz Roy.
Die Zeit mir Issy ging schneller zu Ende als gedacht. Eigentlich sollte Rüdiger ihn ablösen um dann mit mir nach El Chalten zu fahren aber daraus wurde leider aus gesundheitlichen Gründen nichts. Wie Hohn war das Wetter nicht nur gut sonder top und ich war ohne Partner. Bereits auf dem Weg nach El Calafate konnte man von weiten Fitz Roy und Cerro Torre sehen, was dahingehend bemerkenswert ist, das es schon viele Leute gab, die 3 Wochen in El Calafate direkt vor Ort waren und den Gipfel nie zu Gesicht bekammen. Nun sahen wir beide Gipfel aus 100 km Entfernung und ich fragte mich, ob ich das schöne Wetter überhaupt nutzen könnte ohne Partner oder wie ich schnell einen Partner finden würde. Die überlegung war noch nicht besonders weit gediehen als ein anderes Problem uns vollkommen einnahm. Issy wae ja noch win paar Stunden da und wollte noch Souveniers kaufen und ich dafür etwas Geld abheben. Was sonst die normalste Sache der Welt ist, wurde zum Ding der unmöglichkeit. Keiner der 5 Geldautomaten im Ort spuckte Geld aus und meine Visa Karte wurde gab immer eine Fehlermeldung aus, wenn ich damit bezahlen wollte. Was also machen damit ich die nächsten 4 Wochen zurecht komme? Zumindestens um die Übernachtung musste ich mich nicht sorgen, das war im vorraus schon geregelt. Ich mußte jedoch noch irgend etwas Essen und ca 50€ für den Bus nach El Calafate und zurück bezahlen. Da Issy keine Kreditkarte dabei hatte, weil diese aus ungeklärten Gründen von Vietnam aus überzogen und dann gesperrt wurde haten wir auch keine zweite Karte.
Es gab leider nur eine Möglichkeit. All unser verbleibendes Geld zusammen zu kratzen und nur das nötigste nur kaufen. Issy verzichtete dafür auf alle Souveniers und gab mir seine restlichen Euro und fuhr mit lediglich 20 Euro und dem Geld fürs Taxi in der Tasche nach Hause. Später stellte sich herraus das es auch bei ihm zu wenig war und es weder fürs Taxi noch als Notreserve reichte. Wer konnte auch ahnen, dass die Fluggeselschaft, welche auf dem Hinflug 2 x 23 kg Gepäck erlaubte auf dem Rückflug nur 2 x 15 kg zuläßt. Mit gutem Zureden konnte Issy sowohl den Taxifahrer als auch die Dame am Check-in mit dem wenigen was er hatte abspeisen und kam bis nach Hause.
Egal wie, auch bei mir würde das so knapp werden, dass mir weniger als 100 € zum Essen bleiben würden. Das klingt vielleicht viel in Südamerika, aber leider sind Lebensmittel in El Chalten nicht gerade billig. Selbst 500g Nudeln kosteten 1,5 €. Ist schon komisch, ich hatte mir irgendwie vorgestellt, dass ich spannende Klettererlebnisse haben würde in El Chalten. Nun ist alleine genug Essen zu bekommen spannen. Da ich ja immer versuche positiv zu Denken kann ich es ja so sehen das weningstens der Zustieg in diesem Fall kurz ist.

Sonntag, 18. Januar 2015

Wildes Patagonien


Auf der Fähre

Unsere Biwakhöhle

Unsere unbeschreiblich schöne Umgebung

Aleta de Tiburon (Die Haiflosse)

Klettern am markanten Grat der Aleta de Tiburon

Unsere eigentlichen ziele sehen wir leider erst am letzen Tag bei passendem Wetter

Zwar eiskalt aber endlich schönes Wetter

Am Einstieg





Ich schrecke aus einem unruhigen Schlaf hoch und liege eingepfärcht im Portalege. Um mich herrum brüllt der Wind und wir werden kräftig durchgeschüttelt. Der Sturm tobt unvermittelt weiter und wir bekommen kaum ein Auge zu. Wenig später hebt es uns vollständig aus und Issy starrt mich entsetzt an. Wie war dies möglich? Wie konnte dies geschehen und wie sind wir überhaupt in diese Lage gekommen?

Alles fing ganz harmlos an und vor allem wußten wir noch nicht, dass wer sich auf eine Reise nach Patagonien begibt immer eine Reise ins Unbekannte macht. Nichts läuft wie geplant und mit dem Wetter kann man sowiso nicht rechnen.

Wie alle Kletterer im Park mußten wir uns zunächst die nötigen Unterlagen bei der Parkadministration abholen wodurch ein halber Tag verloren ging. Dann kam das worauf wir uns am weningsten gefreut haben: Der Zustieg. Obwohl jährlich tausende Leute zum Trekken nach Patagonien fahren fanden wir keinerlei gefallen daran und wurden noch dazu ziemlich blöde angeschaut. Es mag wohl daran liegen, dass wir alle Strecken dreimal laufen durften und das wir meist in Begleitung eines riesigen Rucksackes waren. Die Kommentare der anderen Trekker waren zum Teil recht einfallsreich: " Hast du da jemanden im Rucksack der zu faul ist zu laufen?" Seid ihr sicher, das ihr dort mit den riesigen Rucksäcken hochlaufen wollt, das macht niemand mit Rucksack ( Da Sackgasse) Ja die Trekker sind schon ein aufmerksammes Volk, als Issy unseren Weiterweg scoutete meldete sich schon die erste Dame das dies einen negativen Einfluß auf das Paarungsverhalten irgentwelcher Tiere hat. Ja es war witzig aber die Aussicht beim Laufen waren grandios. Zudem haben wir gelernt, dass man sich gerade dann mit dem Zustieg besser beschäftigen sollte, wenn man vermeiden will seinen Rucksack 1h im kreis zu tragen. Da wir es am Abend nicht bis zu unsere Grotte schafften schliefen wir 1,5 h vor unserem Ziel. Da es leider in strömen goss und wir kein Zelt dabei hatten hingen wir kurzerhand das Portaledge mit Rainfly an einen Baum. Leider waren am Morgen durch das Kondeswasser und den Regen alle unsere Sachen nass. Wenn das Wetter jetzt mehrere Tage so bleibt heißt es erst einmal frieren. Ab jetzt ( ab Campo Britanico, was leider nicht mehr als solches existiert) ging es abseits der Hauptwege weiter und das auch nur mit Sondergenehmigung. Einige Flüsse die wir überqueren mußten waren so angeschwollen, dass wir sehr lange nach einer Möglichkeit zum überqueren Ausschau halten mußten. Zum Glück hatte es aufgehört zu Regnen und so erschien uns die Hochebene in welche wir kamen wie ein Paradies. Zarte Bergwiesen garniert mit Boulderblöcken und einem klaren Bach. Auch Tiere konnte mann mit viel Geduld sichten wenn man sich in aller Ruhe hinsetzte. Dazu sollten wir später noch viel zeit finden, aber vorerst waren wir auf der Suche nach einer versteckten Höhle, welche auch schon anderen Expeditionen als Basislager diente. Wir waren schon fast am Ende unseres Lateins, nachdem wir unter jeden größeren Stein geschaut sowie in enge Spalte gekrochen waren als sich unsere Zuflucht in der 2. Etage mehrerer übereinander liegender Blöcke fand. Mir rutschte sogar ein Heureka heraus, weil mehrere Wochen in der Tropfsteinhöhle von Portaledge Schlafen, war eine grausamme Vorstellung. Doch die Höhle war perfekt. Nach dem 2 mal Laufen richteten wir uns erst mal häuslich ein und in der Sonne bekamen wir glücklicherweise alle unsere Sachen trocken. Trotz unserer Blessuren richteten wir uns am nächsten Tag aufs Klettern ein und da man in Patagonien wegen des Abwechslungsreichen Wetters eine 1000m Wand nicht an einem Tag schafft hieß es die 3h Zustieg über endloses Geröll und Schnee wieder nur Schleppen. Wir sind sogar auch eine Länge geklettert, aber Nasser und brüchiger Fells mit nahezu vorsätzlich schlechter Absicherung ließen uns bald die Route abbrechen. So kam Issy zu seinem ersten 10m Sturz in eine Schraube die aus der Wand schaute und wir entschieden uns nach 4 Tagen schleppen, endlich mal für einen Ruhetag im Basislager. Damit die Schlepperei nicht umsonst war verstauten wir das Material unter einem großen Felsblock in der Nähe des Einstieg.
Die 2 Tage im Basislager taten uns beiden gut und die schmerzenden Knie und wunden Füsse regenerierten sich von selber. In den Schönwetterpausen war Zeit die Natur zu beobachten und das grandiose Ambiente zu bewundern. Sogar aus der Höhle schaute man direkt auf dem Central Tower der Tores del Paines. Wenn das kein Luxus ist. Auch Taghell war es in der Grotte, denn der Schnee oder die Wolkendecke reflecktierten ausreichend Licht in die nach unten abfallende Bleibe.
Mit jedem Tag der Ruhe stieg unsere Motivation und so waren wir bald fündig auf der Suche nach einem anderen Ziel. Wir fassten den Cerro Cotta mit der 600m langen Via Italia ins Auge und trotz mäßigem Wetterbericht ging es früh am 4.1 los.
Der Fels war besser als bei der vorhergehenden Route und wir genossen das Klettern. Wir hatten eigentlich nur 200m zu Klettern, aber das Haulen hielt uns ganz schön auf. Als sich dann der Himmel zuzog und es zu schneien anfing kam eins zum Ander. Das angepeilte Band war zum aufhängen des Portalege nur schlecht geeignet, da der einzige Haken nur 30cm über diesem hing. Also mussten wir weiter und ehe Issy die nächste Länge beendet hatte waren gefühlt Stunden vergangen und ich fühlte mich wie ein Schneeman. Eine tolle Stelle für das Portaledge hatten wir nicht, aber eine Felszacke schien zumindenst geeignet. Das Schneetreiben hatte sich inzwischen zu einem Schneesturm ausgewachsen. Ein Portalege aufbauen unter diesen Umständen schien fast unmöglich und noch bevor wir damit begonnen hatten, waren unsere Finger Taub vor Kälte. Die Stangen flatterten im Wind und da alles eine Ewigkeit zu dauern schien war alles klitschnass. Das Rainfly was man sonst wie ein Zelt über das Portalege zieht ließ, wurde vom Wind immer wieder nach oben geblasen und füllte sich wie ein Fallschirm mit Luft. Für diese Last war es nicht ausgelegt und es drohte zu zerreisen. Mit letzter Mühe schafften wir es unser Segel einzuholen bevor es zerriß. Dies wäre das entgültige aus für die Route und wir hätten im Sturm abseilen müssen. Als das Rainfly halbwegs saß waren wir noch lange nicht fertig und es sollte noch über eine Stunde vergehen ehe ich mich zu Issy in die Tropfsteinhöhle gesellen konnte. Selbst ein mit 2 Personen besetztes Portaladge übersteht in einem Sturm keine Stunde, wenn dieses nicht an allen 4 Ecken nach unten festgebunden ist. Der Sturm hebt alles einfach nach oben aus und wenn man mehrfach heruntergekracht ist hat man nur noch Einzelteile. Also band ich die 4 Ecken zuerst an mir fest und kratzte mit dem Klemmkeilentferner Eis und Dreck aus den Querbändern bis ich je 2 Ecken an einem Friend so straff es mit eiskalten Fingern ging nach unten gesichert hatte. Da die Haulbags halbwegs geschützt unter dem Portalege hingen musste ich erst alle notwendigen Sachen zu Issy hereinreichen bevor ich mich dazugesellen konnte.
Da das Aufbauen sehr lange gedauertnhatte war auch im Portalege alles voll Schnee oder nass. Da wir froren fiel das Abendessen recht knapp aus und wir verschwanden schnell in unseren Schlafsäcken. Da die Außenwände Tropfnass waren war Issys Daunenschlafsack schnell ebenfalls nass und wärmte kaum noch. Wir konnten den Schaden mittels Abdecken durch Regenjacken nur begrenzen. Da ich auf Empfehlung eines erfahrenen Patagonisten einen dünnen Kunstfaserschlafsack über meinen Daunenschlafsack zog, blieb ich zumindest warm. Ob warm oder kühl, wir bekamen in dieser Nacht kein Auge zu, denn der Sturm tobte mit unvermittelter Stärke weiter. Mehrfach wurde das Portalege trotz Abspannung ausgehoben und ich füchtete wenn einer der Friends an jeder Seite aus den vereißten Querrissen gerissen wird, dann ist es um unsere kleine Insel in diesem Schneesturm geschehen. Wir lauschten wie gespannt wenn der Wind von Neuem aufheulte und hielten den Atem an wenn das Portalege wie eine Waschmaschiene im Schleudergang durchgerüttelt wurde. Wie man sich sicherlich vorstellen kann war dies eine lange Nacht und unsere Nerven lagen blank. Wie erleichtert waren wir als es draußen wieder hell wurde. Das Kondenswasser war inzwischen zu Eis erstarrt aber ein neuer Tag verhieß neue Hofnung. Der Sturm tobte zwar am nächsten Tag weiter, aber etwas Sonne heizte das Rainfly ausreichend auf, dass wir mit gut Lüften der Herr über die Nässe wurden. Auch erneutes Abspannen nach unten machte uns etwas zuversichtlicher auch die nächste Nacht heil zu überstehen. Was die nächsten zwei Tage folgte war alles andere als schön und der kurze sonnige Abschnitt erschien uns wie der Aufentalt in einem Luxushotel. Der Sturm tobte schlimmer als zuvor und das brüllen des Windes schüchterte uns extrem ein. Es war nicht daran zu denken, das Portalege zu verlassen denn draußen herrschten lebensfeindliche Bedingungen bei denen selbst das Abseilen kein sicheres entkommen bot. Also hieß es aushalten bis sich das Wetter bessert oder zumindest der Wind etwas legt. Doch es war alles andere als eine Idylle unter unserem Rainfly. Wir hatten erneut Probleme mit Kondenswasser nur das es dieses mal gefroren war und der Wind schüttelte die Eiskristalle auf uns herunter und alles war voll Schnee. Wenn du kurz vorm Wegnicken bist, haut dir jemand Schnee ins Gesicht - fetzt. Die Schlafsäcke wurden nässer und nässer und wir wollten uns so wenig wie möglich bewegen um nicht noch nässer zu werden. Nässe in diesem Zustand bedeutet frieren und selbst in unserem hängenden Zelt herschten -2°C. Also blieben wir 2 Tage liegen und machten uns auch keinen warmen Tee. Genausogut hätten wir uns auch den Tee direkt auf die Schlafsäcke kippen können, denn eins war gewiss die Feuchtigkeit der Kondensation würde früher oder später unser aus sein. Issys Daunenschlafsack war bereits so nass, dass er nur noch duch das Auspolstern mit unseren zwei Daunenjacken die Körpertemperatur im Schlafsack halten konnte, denn Daune wärm leider nicht im nassen Zustand. Dieser Zustand zermürbte und war auch nur eine trügerisch Sicherheit, denn das Überzelt blähte sich nur alzu oft sehr bedrohlich. Ein kleiner Riß in dem Material und wir wären dem Sturm schutzlos ausgeliefert. Die letzte Nacht war dann noch einmal eine Steigerung des Ganzen. Was anfangs nur heftige Windböhen waren die uns kräftig durchschüttelten war jetzt ein Dauerzustand von den Böhen ganz zu schweigen. Wir waren uns nun sicher am nächsten Morgen den Rückzug anzutreten wenn das Material noch so lange durchhält. Die Nerven lagen Blank und wir hängten unsere Schuhe und die Regenjacken sicher befestigt in unsere Reichweite. So wäre es uns wenigstens möglich gewesen nach dem kollabieren unserer kleinen Seifenblase nicht barfuß und ungeschützt 4 m unter dem Fixpunkt zu hängen und uns aus den Schlafsäcken zu schälen. Selbstverständlich waren wir an 5 mm Dynemaschlingen festgemacht, aber halt so lang, dass wir im liegen die Schlafsäcke schließen konnten. Mit den Schuhen in Reichweite hatten wir wenigstens eine reele Chance uns die 5 m an den Dynemma Schlingen hochzuziehen um an das andere Material zu kommen. Als das brüllen des Sturmes in der Nacht noch einmal zunahm, setzte ich mir im Schlafsack schon die Stirnlampe und den Helm auf nur um etwas besser dran zu sein auch überlegte ich ob ich schon die Schuhe bereits im Schlafsack anziehe sollte. Da diese aber nass waren verwarf ich die Idee jedoch. Jedenfalls überstanden wir die Nacht und wollten nun nichs wie runter. Wir hatten lange genug überlegt wie wir alles Material und auch alle Seile nach unten bekommen würden und alles lief wie geplant, weil der Wind etwas gedreht hatte. Das Timing hätte perfekter nicht sein können, denn kaum das wir am Wandfuß standen brüllte der Wind seinen Ärger das wir ihm entkommen waren in die Wand hinein. Erst jetzt merkten wir auch das so unpraktisch uns die Stelle für das Portaledge auch erschienen war das sie einen entscheidenten Vorteil hatte: Es lag in einer kleinen Mulde der Wand und bot zumindest ein klein wenig Schutz. Nun waren wir dem Wind voll ausgeliefert und dieser tobte mit Orkanstärke. Wir wurden samt unserer 40 kg Rucksäcke wie Spielzeug einfach auf den Boden und wir konnten nichts dagegen machen. So dauerte der Abstieg über die steilen Schrofen und die unwegsammen Geröllfelder 6h statt 3h. Es war der reinste Spießrutenlauf und irgendwann waren wir so erschöpft, das wir nur noch stumpf vor uns hinliefen. Wir hatten einen Zustand erreicht in dem alles automatisch zu unserem Ausgangspunkt zurücklief. Bis hierhin hatten wir verzweifelt versucht gegen den Wind anzukämpfen ja sogar ihm unseren Frust entgegengeschriehen. Doch der Sturm zeigte uns jedes mal wer den längeren Atem hat. Wenn wir wieder einmal vom Sturm niedergestreckt am Boden lagen kämpften wir nicht mehr dagegen an um aufzustehen, sondern warteten, bis dieser kurz nachließ um uns wieder aufzurappeln und uns weiterzuschleppen. Ich brauche ja nicht beschreiben wie sehr wir uns freuten in unserer Grotte die Säcke abzuwerfen und ein paar trockene Sachen anzuziehen. Was für ein schönes Gefühl nach 4 Tagen wieder hier an unserem Ausgangspunkt zu sein.
Wir waren zwar geschlagen aber irgendwie zufrieden hier in Sicherheit zu sein. Das es in jedem Fall die richtige Entscheidung war zeigte sich in der folgenden Woche. Der Sturm tobte unvermindert weiter und nahm sogar noch an Stärke zu. Als dann in einer Nacht ca. 50 cm Neuschnee dazu kamen hatten wir einige Mühe selbst die geschützte Grotte gegen den hereinbrechenden Winter zu verteidigen. Zum Glück lagen wir im hintersten Teil der Höhle, denn nach 3 Nächten war der vordere Teil trotz Rainfly und Rucksäcke die den Eingang versperrten zugeschneit. Wir verließen die Schlafsäcke nur noch wenn es gar nicht anders ging und warteten auf besseres Wetter. So verronn unsere wertvolle Zeit, ohne das überhaupt an Klettern zu denken war aber unsere Stimmung blieb unverändert gut.

Es ist egal wie man sein Zeit verbringt, solange man die richtigen Leute an seiner Seite hat.

Als der Wetterbericht Besserung versprach war es leider zu spät für unsere großen Wände. Wir hatten noch maximal 2 Tage und das nur dann, wenn wir in nächtlichen Gewaltmärschen das Material zurück zur Fähre schleppten. Wir hatten uns bereits damit abgefunden und sahen es eher positiv , dann haben wir wenigstens auf dem Rückweg schönes Wetter. Wer läuft schon gerne im Regen. Ich war schon sehr über mich erstaunt, dass ich diese Umstände so gelassen hinnahm, denn 3 Klettertage in der ganzen Zeit sind wahrlich nicht viel. In vorangegangenen Urlauben hat man in 3 Wochen bereits mehrere tausend Klettermeter zurückgelegt. Nicht so in Patagonien aber dafür war viel Zeit zum Nachdenken und auch die anderen Strapazen gingen nicht spurlos an einem vorüber. Der letzte Tag vor dem Abmarsch hat uns zwar noch eine kleine Route am "Aleta de la Tiburon" beschert.
Nun hat die Schlepperei ein Ende. Wir stehen wieder an der Fähre wo unser Weg began und haben keine unsere Routen geklettert.

War nun alles umsonst und sinnlos?
Ganz im Gegenteil, denn Persönlichkeit zeigt sich besonders beim Umgang mit Niederlagen. Somit waren die vielen Eindrücke und Erlebnisse auf unserem Weg wieder ein Stück auf dem Weg zu uns selbst.

Zudem weiß man erst wieder zu schätzen wie bequem es zu Hause ist, wenn man dem Komfort eine Weile entsagt hat.


Wir hatten zwar nicht unsere Route beendet doch waren um einige Erfahrungen reicher. Dies reichte aus, um mit dem Wenigen was wir bereits vorher hatten noch zufriedener zu sein.


Da manche Leute meinen ich schreibe zu viel hier eine kurze Zusammenfassung:
- 3 Tage Klettern
- 10 Tage Schneesturm
- 8 Tage Rucksack schleppen
- Rest an und Abreise

P.S. Die Reihenfolge ist rein zufällig und sagt nicht zur Beliebtheit der Tätigkeit aus.
So toll ist Rucksacktragen


Nass, schlecht gesichert und schwer was will man mehr?


Blick bei der Fahrt mit der Fähre

Guanako


Der Mondaufgang aus unserer

Sonntag, 28. Dezember 2014

Buenos Dias Südamerika

Wir haben es endlich geschafft und sind in Südamerika gelandet. Es war bereits beim schließen der Haustür spannend, weil es alles ander als leicht war die 4 Säcke mit ca 70 kg pro Person zur Staßenbahnhaltestelle zu kommen.
So alles gepackt und nun gehts los in Frankfurt

Ab dem Flughafen war es dann ganz einfach da gab es altersgerechte Gepäckwagen. Als hätte die deutsche Bahn von unserem Vorhabe ins Kalte zu fahren gehört, und wollte uns gleich darauf vorbereiten. Die Heizung war defekt und so frohren wir trotz Daunenjacken bereits auf dem Weg zum Flughafen. Das Fliegen und wie immer das Eincheken war besonders spannend, denn mein Handgepäck wurde zum ersten mal gewogen. Ich hatte zwar bereits die Hälfte bei Issy liegen gelassen weil getrennt einchecken immer das beste ist, aber die 14 kg waren der Dame dann noch immer zu viel (angeblich waren nur 5kg erlaubt). Ich nahm so viel raus bis es nur noch 9 kg waren und versprach den Rest zu entsorgen. Danach packte ich alles wieder ein und es war kein Problem, den beim Boarding gab es keine Wagen und es hat sich auch niemand an dem riesen Beutel voll mit klamotten gestört. Wir hatten schon Angst, das wir jeder alle unsere Sackhen (4 Jacken, 3 Hosen sowie mehrere T-Shirts anziehen müssten) damit wir nur ein Handgepäckstück haben. Um zu zeigen wie zufällig so ein Check-in ist, war es bei Issys Check-in bei einem anderen Angestellten egal wie viel das Handgepäck wiegt. Ist also echt komisch so eine wilkúrlich so was ist.
Buenas Aires wir kommen, bei der Landung.


Nach 20 h Aufenthalt in Buenos Aires und dank der Möglichkeit das Gepäck abzugeben schauten wir uns die Stadt etwas an aber da wir keine Fans von Städten sind gefiel es uns bei den Anglern gleich am Flughafen besser. So ging es nach einer Nacht am Fughafen endlich weiter und wir waren schon ganz unruhig wollten wir doch schnell zum Torres des Paines Nationalpark. Doch unsere Freude wurde jäh gebremst, als der eine Bus nicht fuhr und etliche andere ausgebucht waren. Also hieß es wieder 30 h warten bevor es wieder einmal ein kleines Stück in Richtung unseres lang ersehnten Zieles geht und wir in Puerto Natales in Chile sein dürfen. Es bleibt also spannend, den Gepäckaufbewahrungen gibt es hier nicht und so sitzen wir im wahrsten Sinne des Wortes auf unserem Gepäck.
Wir sitzen wortwörtlich in Calafate auf unserem Gepäck. Wenigstens ist alles angekommen.

Montag, 15. Dezember 2014

Expeditionsvorbereitungen

Expeditionsvorbereitung im vereisten Riß am Schneeberg, Foto Helmut Schulz

Es ist mal wieder soweit. Bald gibt es wieder viel zu Lesen und es geht erneut zu den großen Wänden dieser Welt.
Dieses mal jedoch nicht ins Yosemite sondern nach Patagonien. Ja ihr habt richtig gelesen dahin wo das Wetter recht durchwachsen ist und der Niederschlag hin und wieder in einem anderen Aggregatzustand vom Himmel fällt.

Die Vorbereitungen zur Expedition laufen bereits auf Hochtouren, denn Ende des Jahres geht es los. Viele werden sich sicherlich fragen was wir diese mal geplant haben? Dazu hier ein kleiner Außblick:

  • Die erste Zeit geht es mit Issy nach Chile in den "Parque de Torres des Paines" wo wir wenn uns das Wetter hold ist am "Cerro Cathedral" die 2 Begehung der Route "Los Fabulos Dos" versuchen wollen. Wenn noch ein paar mehr Routen drin sind, dann umso besser.
  • Der zweite Teil der Reise geht mit Rüdiger in die Region des Fitz Roy und des Cerro Tore um bei guten Bedingungen beide zu besteigen. Da uns hierbei ganz besonders das Wetter einen fetten Strich durch die Rechnung machen kann, legen wir uns hier noch nicht genau fest.

Wie ihr seht es wird viel zu lesen geben.

Für so eine aufwendige Expedition ist es natürlich notwendig, Sponsoren zu finden. Dies war nicht ganz leicht und es kamen leider mehr Ab- als Zusagen.
Umso mehr freue ich mich, dass wir dennoch unterstützt werden und aus diesem Grund möchte ich hier auch einzelne erwähnen.

Bouldercity Dresden
Därr der Expeditionsausrüster in München
Deutscher Alpenverein
DAV Sektion Zittau
Kletterschule Lilienstein
Metolius
Mont-K Berlin
Photowerkstatt Dresden
Scarpa
Schneiderei im Ferienhof



Die Logos aller Sponsoren findet ihr auch auf der rechten Seite mit hinterlegten Links.

Weiterhin geht ein großer persönlicher Dank an Birgit Großer (aka Schneidere im Ferienhof) welche in stundenlanger Kleinarbeit unser Überzelt für das Portaledge (Rainfly) Expeditionstauglich gemacht hat. Dafür opferte sie ein ganzes Wochenende ihrer wertvollen Zeit und Geduld.

Weiterhin einen speziellen Dank haben meine Eltern Hans-Dieter und Dorothee verdient, ohne welche ich diese Expedition nich filmerisch dokumentieren und bearbeiten könnte. Zudem sind sie während meiner Abwesenheit eine unverzichtbare Hilfe mit den Kindern.

Zu guter letzt geht das größte Dankeschön an Kerstin meine Frau. Nur sie machte es mir überhaupt möglich diese Expedition durchzuführen indem sie mir die Zeit und Freiheit dafür einräumte.

Sonntag, 30. November 2014

Yosemite Vortrag in Dresden

So es gibt nun auch für den Diavortrag in Dresden am 12.12.2014 in der Kletterarena einen Flyer..
Also vielleicht sieht man sich ja.
.

Montag, 10. November 2014

Yosemite Vortrag in Berlin und Dresden

Kommerzielle Vorträge
Da immer wieder Leute nach Vortägen über meine Reisen fragen biete ich nun auch diese kommerziell an. Bei Interesse einfach die Anfrage als Kommentag mit Emailadresse hinterlassen. Da ich die Kommentare sowiso einzeln freischalte erhalte ich diese per Email und diese erreich mich somit umgehend. Selbstverständlich werde ich diese Komentare dann nicht veröffentlichen und eure Emailadresse wird somit nicht im Internet gezeigt.



Da mich immer wieder Leute gefragt haben ob es ein paar der Storrys aus dem Blog auch in einem Vortrag gibt, kann ich nun sagen es ist mal wieder so weit und zwar in einem größeren Rahmen in Berlin. Dieses findet in der Berta Block statt.



Montag, 13. Oktober 2014

Taghia Klettern im Hohen Atlas




Taghia liegt unterhalb des Ojchdad im Bild Rechts.

Der Orient und das Morgenland hat mich seit jeher fasziniert und so war der Besuch 2008 alles andere als eine Enttäuschung. Wir besuchten Damals die Taghia Schlucht welche für seine bis zu 600m hohen Kalkwände berühmt war. Die Wände waren so kompakt das kaum Bänder die Wand unterbrachen und da sich diese Wände aus einer Schlucht zu beiden Seiten in den Himmel reckten ist der Begriff Mauer gerechtfertigt. Auch das Land und die Kultur waren mir recht ungewöhnlich aber besuchenswert. Erst als man sich etwas an das Feilschen gewöhnt hatte wurde es erträglicher. Leider konnten wir 2008 auf Grund des Wetters und dem Mangel an Zeit nicht alle Routen welche uns interessierten Klettern und so nahm ich mir fest vor wieder zu kommen. Nun war es endlich so weit.

Ganz bekannt und berüchtigt sind die Berbertreppen die ohne Mörtel und Metall auskommen aber leider gelegentlich einstürzen.
Nach der Ordnung kommt das Chaos.

Es war wieder mal so weit es ging wieder einmal zu einem exotischen Ziel. Zum einem um sich beim Klettern neuen Herausforderungen zu stellen und zum Anderen um den Luxus des Altages wieder schätzen zu lernen da man diesen viel zu schnell als selbstverständlich empfindet. Kerstin nutzte die Zeit um etwas mit ihren Eltern zu unternehmen und so waren wieder einmal alle zufrieden gestellt.
Wir hatten Europa noch nicht richtig verlassen, als wir uns mittem im marrokanischen Chaos befanden. Auf dem Flughafen zeterten einige alte Damen herum das sie seit Mittwoch nach Marokko wollen und der Flug immer wieder gestrichen wurde und wahrscheinlich wird es heute wieder so. Trotz Verspätung und etwas Unruhe beim einchecken ging soweit erst einmal alles gut aber wir mussten noch einmal umsteigen bevor wir nach Marrakesch kamen und da ließen wir jegliche Ordnung hinter uns.
Es ging am Transferschalter los wo wir dringend unsere Tickets für den weiterflug bekommen mussten bevor wir unseren Flug verpassen. Als Europäer sollte man meinen das die drei Warteschlangen eine Reihenfolge für die Bearbeitung sein sollten doch von rechts und links kam immer wieder jemand mit dringenderen Problemen. Die alte Dame aus Deutschland stimmte wieder ihr Klagelied an und die Gemüter waren etwas erhitzt. Zu dem was kommen sollte war die Stimmung doch noch friedlich und so stellten auch wir uns wie von den Landesgenossen demonstriert diagonal an. In Deutschland würde das wohl anders heißen aber wir wurden freundlich bedient und die europäisch stehenden welche sich echouffierten wurden vom Personal zurechtgewisen. So kamen wir zu unserem Gate doch was fehlte war das Flugzeug nach Marrakesch. Jetzt ging das Irrenhaus los.Uns kamen Leute entgegen die meinten der Flug wäre schon weg oder geht heut gar nicht mehr. Selbst das Personal reagierte extrem gereizt und gab jedem der fragte eine andere hysterische Antwort. Die Anzahl der Antworten war quasie grösser als die Zahl der gefragten Leute. Die heutige Technik ist ja ein Segen für jeden Arbeitnehmer und gibt einfache Auskünfte für jeden verständlich mittels einer Anzeigetafel. Diese gab es hier auch, doch jegliche Korrelation zwischen Abflugszeit und Zielort fehlte. So ging es mit den anderen Reisenden über 1 Stunde von einem Schalter zum nächsten. Zwischen erhitzten französischsprachigen Diskussionen hörte man immer wieder das Wehklagen der deutschen Dame, da ihr Man bereits seit 3 Tagen in Marrakesch auf sie wartete. Das Personal schwebte zeitweise in Lebensgefahr weil diese Feierabend machen wollten und die Stimmung sehr aufbrausend wurde. Auch die Polizei konnte den Gemütern kaum Einhalt gebieten. Als uns das alles zu bunt wurde machten wir es uns mit bestem Blick auf das Geschehen bequem denn ich war inzwischen ganz schön müde. Da wir nicht sicher waren ob wir beim Schlafen den Flug eventuell verpassen würden hängte ich mir ein Schild mit unserem Ziel um den Hals. So konnten wir bequem miterleben wie die Passagiere von Schalter A zu Schalter B und später zurück zu A rannten. Das Irrenhaus fand ein Ende, als mit über 3 h Verspätung doch noch ein Flug auf die Beine gestellt wurde und wir in Marrakesch ankamen. 
Car sharing a la Afrika


Die verbleibenden 3h der Nacht waren schnell vorbei und weiter ging es Richtung Taghia dem vorlaufigen Ziel unserer Reise. Wenn alles gut geht sollten wir heute noch ans Ziel kommen. Da Taghia nicht mit dem Auto zu erreichen ist, konnten wir die 2,5h Fußmarsch notfalls auch im dunklen zurücklegen. Entgegen der Vermutung war die öffentliche Verkehrsanbindung gut und 8:30 Uhr ging es vom Garre Routier in Marrakech mit dem Bus nach Azilal von dort sollte der Anschuß wenig später nach Zaouiat Ahansal weitergehen, aber auf dieser Strecke gibt es keine Fahrpläne und so wartete der Kleinbus über 4h bis genügend Passagiere das Gefährt überfüllt hatten und die Fahrt für den Betreiber rentabel machten. Durch diese Verzögerung würden wir zwar im Dunklen in Zaouiat Ahansal ankommen, konnten jedoch den Gedanken die fast 40kg schweren Rucksäcke spazieren zu tragen noch etwas vor uns herschieben. Da uns eine Nacht fehtle, kämpften wir mit der Müdigkeit, konnten aber auch nicht schlafen und als es dunkel wurde hieß es bei uns Rucksack schultern und los gehts. Ich hatte den Weg als einfach in Erinnerung, weil wir damals bei Tageslicht den Mulis hinterher gelaufen waren. Doch die Mulis kannten ihren Weg blind, da sie das einzige Transportmittel nach Taghia darstellten. Das half uns auch etwas bei der Orientierung, denn die Exkremente markierten uns wenigstens den Weg ein wenig. Dennoch verliefen wir uns mehrfach und die Riemen der Rucksäcke schnitten schon nach wenigen Minuten ein und das Suchen nach dem Weg machte es nicht besser. In meiner Erinnerung war es sehr oft der Fall das die Mulis im seichten Flussbett liefen und der Fluß extrem häufig gequert werden mußte. An dieser Stelle verirrten wir uns total in den kleinen Feldern welche in der Nähe des Wasser angelegt wurden. Diese Felder waren durch Steinmauern und Dornensträucher voneinander abgegrenzt und terassenförmig angelegt. Da wir uns verlaufen hatten kamen wir kaum noch voran.Es hätte nicht viel gefehlt und wir hätten uns an Ort und Stelle zum Schlafen niedergelegt da kam eine Stimme und eine Taschenlampe von der anderen Seite des Flussesnund ca 30m oberhalb von uns. Mittels wenigen Brocken Französisch machte uns der Einheimische darauf aufmerksam das er sich auf dem Weg befand und wir eben nicht. Naja da hätten wir unten am Bach lange suchen können wenn der Weg so weit oben verläuft. Er wartete auf uns und da er auch nach Taghia musste lief er voraus. Das einzige Manko war, das er ohne Gepäck lief und ein mordstempo anschlug. Da wir uns nicht noch mal verirren wollten gaben wir alles und blieben an im dran. Der Fluß wurde noch mehrere male gequert und! schon nach 10 minuten war uns klar das wir alleine im dunklen keine Chance gehabt hätten. an Pausen war leider auch nicht zu denken und so eilten wir auf dem Zahnfleisch kriechend unserem Ziel entgegen. Nach einer weiteren Stunde waren wir endlich am Ziel und konnten in der Gite d'etape von Said unsere Rucksäcke absetzen. Da ich per mail unser spätes kommen angekündigt hatte war um 22:30 wenigstens noch jemand wach und mittlerweile gab es auch die möglichkeit von Internet, da Taghia vor einem Jahr eine Stromleitung bekommen hatte. Für ein oder zwei Nächte waren wir hier erst einmal zu Hause, dann geht es weiter in die Berge.

Irgendwas muß man uns ins Essen gemischt haben wir waren so heiß aufs Klettern.
Einer der besten Sektoren in Taghia ist ca. 2.5h Fußmarsch vom gleichnamigen Ort entfernt. Um diesen Fußmarsch nicht täglich zweimal zurückzulegen entschlossen wir in einer nahegelegenen Grotte zu biwakieren. So hätte man im schlimmsten Fall max einen Zustieg von 30 min. und ist in einer beeindruckenden Schlucht gelegen.

Berbertreppe

Hier mal mit Stahl aber ob das Mit 40 Kg Zusatzgewicht hält?

Issy begrüßt den Steinmann


Eine Berberbrücke


Grand Carnevall 8a+, 7a obl, 500m
Im hinteren Sektor von Tadrate gibt es eine Handvoll Routen. Dabei ist Grand Carnevall die logischste Linie im Sektor und folgt einer logischen Verschneidungslinie. Durch die Risse konnte viel mit mobilen Sicherungsmitteln abgesichert werden. So kommen insgesamt 36 Bohrhaken zur Zwischensicherung auf die gesamte Routenlänge und der erste in der 4. Sl. Ein sicherer Umgang mit Friends ist daher obligatorisch. Die Ausgesetztheit der Verschneidung ist beeindruckend und die Kletterei ist abwechslungsreich. Issy vollbrachte an diesem Tag sein Husarenstück und kletterte die 7c+ on sight. Die homogene Hangelrippe war anstrengend unübersichtlich und trittarm. Zudem kam am Ende zwei sehr unübersichtliche Wandstellen und Issy kämpfte sich erfolgreich nach oben. Nun war ich wieder an der Reihe mit der Crux. Die Verschneidung schloß sich nach 15m und es wurde schwer. Das einzigste Manko ist, dass die Schlüsselstelle in einem grauen Streifen liegt und immer wieder schmutzig wird. So war einiges an Putzerei nötig bevor ich an den Zügen basteln konnte. Es war eine technische Verschneidung mit wenigen Tritten und es dauerte etwas eine Variante für mich zu finden und durchzusteigen. Mittlerweile war es spät geworden und wir mußten uns beeilen um noch bis hoch zu kommen. Zum Glück wurden die Seillängen leichter und inhomogener. Wir kamen 1h vor dem dunkel werden nach 12h Kletterei am Ausstieg an und beeilten uns abzuseilen. Da die Verschneidung rechtsgeneigt und sehr überhängend war wurde es nötig die Stände mit Hilfe der Zwischensicherung anzupendeln. Das war im Dunkeln alles andere als leicht zudem hatten wir nur eine Stirnlampe dabei, was nicht immer vorteilhaft war. Mit ein paar kleinen Tricks funktionierte es aber die nächsten male würden wir zwei Lampen mitnehmen. Zufrieden aber geschafft kammen wir in unser Biwak.

Die 2. Länge


Grand Carneval die 7c+ Länge

Topo Grand Carnevall
Originaltopo Grand Carnevall
Anthro po cene 8a obl. 6c+, 520 m
Eigentlich wollten wir Azazar klettern, aber die erste Seillänge war so rauh und unangenehm, dass wir uns für die linke Nachbarroute entschieden welche Anthtro po cene hieß. Mitlerweile war es aber dafür zu spät und so entschieden wir uns nur die ersten 8 der 17 Seillängen auszubouldern da die Route anhaltend schwer war. Von den 17 Längen waren nur 3 mal 6er Längen der Rest war schwerer. Am zweiten Tag ging es dann richtig los. Die Längen gingen flott von der Hand und die Kletterei war meist steil und sehr abwechslungsreich. Die Eintufung der Längen war eher dankbar und die Längen waren angenehm kurz. Auf der ersten Hälfte war der Fels selten scharf und es gab sogar tolle Züge mit Löchern und Untergriffen. Im oberen Teil nahm der scharfe Fels leider zu und so mußten wir noch einmal kräftig die Zähne zusammenbeißen. Mittlerweile merkten wir, dass wir ganz schön geschafft waren und freuten uns als wir nach 9h endlich am Ausstieg ankamen. Der Blick von oben war anders als wir vermutet hätten. Die Schlucht endete unweit des Tadrate in einer Hochebene. Auch Bäume wuchsen nur in der Nähe der Schlucht und ringsherrum war eine karge Steinwüste die nur lebensfeindlich war. Als es dann anfing zu Regnen, beeilten wir uns abzuseilen. Die überhängende Wand bot uns ausreichend Schutz und es hörte auch auf zu regnen. Dennoch hatte ich keine Lust ein eventuelles Gewitter in dieser Wand zu erleben denn in der vorangegangenen Nacht hatten wir bereits eins erlebt.
Das erlebte Gewitter war sehr beeindruckend gewesen. Der Donner hallte durch die Schlucht wie Geschützdonner in einer Schlacht. Die Blitze tauchten die Schlucht in gespenstiges Licht und die Windböhen unsere Grotte in Regenschauer.
Zum Glück blieb uns dieses Erlebnis in der Wand ersparrt und die Wolken verzogen sich.
Noch im tageslicht kamen wir zu unserer Grotte und zur Feier des Tages gab es Spagetti.
Topo Anthro po cene



Die erste 7c Länge

Oben wird es noch mal stachelig

Von wegen hinterm Horizont gehts weiter, die Schlucht hört einfach auf

Und trotzdem oben


Sul Fillo della Notte 7c+,7b obl 600m
Lange Zeit fragte ich mich, warum diese Route "Kinder der Nacht" heißt und endlich weis ich es. Die Kletterei ist so homogen und der Fels so unübersichtlich, das man um diese Route zu klettern im dunklen aufstehen und sehr wahrscheinlich auch im dunklen zurückkommen wird. Dennoch ist dies mit Abstand die Beste und beeindruckenste Route welche wir hier geklettert haben, den der Fels und dessen Qualität ist einfach grandios. Von unten sieht die Wand glatt aus und man kann erahnen, das die Oberfläche rauh ist wie Spritzputz nur viel fester. Das macht das ganze sehr sehr unübersichtlich. Zum Glück kommen gelegentlich tiefe Tropflöcher welche den Fingern und vor allem den unterarmen etwas Entspannung bieten. Am ehesten kann man die Felsqualität mit Ceüse vergleichen also die Creme dela creme. Die Kletterei ist sehr homogen und die Seillängen sehr lang. Zudem kommt hinzu, das die Absicherung gerade so ausreichend ist und die Hakenabstände zwischen 4-10m liegen. Bei dieser Kletterei drückt das schon auf den Kopf und man hält sich mehr fest als eigentlich nötig. Auch ist es nicht immer leicht die Richtige Variante zu finden und man klettert voller verzweiflung in eine Sackgasse. Das blieb uns zum Glück ersparrt, aber Issy war nahe dran und schon weit über dem nächsten Haken als er die Flucht nach vorne ergriff. Zurück ging es nicht mehr und der nächste Hacken war mehrere Meter rechts von ihm und in Fußhöhe. Irgendwie schaffte er es noch diesen zu klippen und stürzte kein einziges mal. Ja Issy gelang es die gesamte Route os/ flash zu klettern wobei er die Crux vorstieg. Ich war da leider nicht so Glücklich, denn ich durfte die Schlüsselstelle zweimal machen. Die extrem weiten Züge an den winzigen Leisten und Löcher kamen meiner Statur nicht gerade entgegen. Ist zwar etwas ärgerlich aber was solls. Jedenfalls ein beeindruckendes Erlebnis und eine grandiose Leistung des Erstbegehers Rolando Larcher der 2003 mit seinem Team die wenigen Bohrhaken weit nach oben geschafft hat und in dieser Mauer eine so homogene Linie geschaffen hat. Die Einstufung der Längen ist sehr straff. Da die Kinder der Nacht unserer Meinung nach schwerer und anspruchsvoller als Anthe po Cene ist bleibt diese wahrscheinlich nur wenigen Leuten vorbehalten. Nach dem Wandbuch unterm Gipfel hatten wir die 7. Begehung.
Durchweg geiler Fels

Die letzte 7c



Die 7b+ ist wie jede Länge in dieser Route lang, sehr schwer und sehr unübersichtlich.


Topo Kinder der Nacht

Babel 7c+, 7a+ oblig
Eigentlich war dies eine unserer wichtigsten Routen welche wir machen wollten und zudem noch mit 850m die längste Route. Die Wand ist gut von Saids Gite d'Etape zu sehen und wir wollten 2008 rechts davon eine Erstbegehung machen allerdings war es damals viel zu kalt in der Nordseite. Dieses mal stimmte das Wetter und da die meisten Leute die ersten Seillängen welche direkt vom Fluß aus einer engen Schlucht starteten. Da wir nach der anstrengenden Anreise was kurzes für den ersten Tag suchten war Babel unsere Wahl. Der Zustieg war kurz und wir mußten nicht im Dunklen aufstehen. Die Kletterei war anspruchsvoll und das Gestein unangenehm glatt so das wir oft wegrutschten. Wir waren beide nicht begeistert, aber schoben es auf das fehlende Kalksteingefühl und es ging erst einmal für eine Woche hinter in die Tadrate Schlucht. Nachdem wir zurückkamen ging es erneut in die Babel. Auch beim 2. Mal war die Kletterei unangenehm glatt und nicht besonders toll besonders nachdem wir die tollen Routen am Tadrate geklettert hatten. Beim nachziehen geschah es dann, die Schuhe von Issy lößten sich in der 8. Seillänge und vielen bis in den Fluß hinunter. Also mußten wir abseilen aber bei einem waren wir uns sicher noch einmal steigen wir nicht ein.
Babel, Topo der Erstbegeher

Babel die 1. Sl, Keile und Friends sind durchaus empfehlenswert


Atlantic Perverso 8a/8a+, 7b obli
Eigentlich ist die Nordseite des Ojedad nicht gerade beeindruckend, da sie alzuoft von großen Bändern durchzogen wird. Dennoch sehnten wir uns wegen der brennenden Sonne nach Schatten und entschieden uns für Atlantic Perverso auch wenn wir den Namen nicht so richtig deuten konnten. Die Route wurde 2011 von Italienern Erstbegangen und Wiederholer waren positiv erfreut. Das einzige was bemengt wurde war, das der 6. Stand unlogisch in der Mitte der Crux steckte. Da war es für mich von anfang an eine Herausforderung die Länge 6 und 7 zusammenzuhängen doch das war schwerer als gedacht. Zum einem fehlten nach der Sl 1, Sl 4 und Sl 5 die Borhaken am Stand da man auf den Bändern in die Wand laufen konnte. Was nicht niet- und nagelfest war wurde von den Berbern einfach abmontiert. da war es schon sehr vorteilhaft 2 Muttern und eine Hakenlasche dabei zu haben um diese über den Schwerlastanker zu Schrauben. !!! Also für Aspiranten unbedingt Mutter und Hakenlasche einpacken!!!
Die ersten Längen waren erstaunlich abwechslungsreich und von der Absicherung eher harmlos. Es gab Sinter und Wandkletterei und in den leichten Längen waren Friends und Keile notwendig. So kamen wir zum großen Überhang welcher echt beeindruckend aussah. Das Ausbouldern der ersten der beiden Längen war nicht so wild, denn es war sehr schöne athletische Ausdauerkletterei. Ohne guten Ruhepunkt ging es in die nächste Länge wo ein Leistenboulder mit sehr technischen Zügen viel kreativität und Zeit verlangte. Da waren wir schon froh das der Sichernde bequem auf dem großen Band unten stand, statt am Hängestand in der Mitte der Crux. Die Lösung ging gerade so auf und es blieb anspruchsvoll. Beim Abseilen am Hilfsseil welches ich am oberen Stand zurückließ sah man das die beiden Langen auf 50 m gut 7 m über hing. Wärend Issy die Längen gleichfalls ausboulderte konnte ich gemütlich auf dem Band abhängen und was sich eher etwas wie Klettergarten anfühlte. Als ich dann am Zug war schleuderte ich mich nach oben und war eigentlich am ersten Stand total gepumpt. Ich schaffte es mich ein wenig zu erholen aber viel Kraft war nicht mehr in meinen Unterarmen. Verzagen hilft ja bekanntlich wenig und so biss ich mich weiter durch. Zweimal drohte ich beim weitergreifen rauszukippen und konnte den Körper gerade noch stabilisieren um den Zielgriff einzusortieren. Auf diese Weise erreichte ich nach 50m den 2. Stand und freute mich den Hängestand weggelassen zu haben. Ob das ganze zusammen jetzt nun 8a oder 8a+ ist weiß ich nicht aber der erste Teil ist eher nur 7c+. Ich freute mich riesig und als Issy total platt bei mir ankam dachte ich eigentlich er würde mir die kommende 7c+/8a Platte überlassen. Da Issy bereits mehrfach gezeigt hatte wer von uns beiden der König der Plattenkletterei ist ließ er es sich nicht nehmen und Kletterte die Länge sogar on sight. Leisten zustellen und schlecht stehen ist halt voll sein Ding. Bei mir war es im Nachstieg noch deutlich knapper, denn die Tritte waren zu weit unten und eine Alternative gab es nicht. Nur rohe Gewalt wahr da noch die Lösung aber auch ich war noch ganz schön platt. Als das geschafft war kammen wir leider dazu zu Erfahren, warum die Route Atlantic Perverso hieß, denn es waren 7a schwere vom Gras zugewachsene Risse zu Klettern die man sich wirklich sparen kann aber naja wir wollten halt alles Klettern und so gärtnerten wir unseren Weg nach oben und zum Glück blieb uns folgende Erfahrung ersparrt " Das Atlasgras das war sein letzter Griff, bevor er in die tiefe pfiff"


Erst steil, dann senkrecht (hier der 2. Teil der 8a+)...
... und dann ab zum Gärtnern.
Topo Atlantic Perverso.
Susurro Berber 7b+, 6b obl
Da wir nun schon den 3. Tag in Folge kletterten, suchten wir uns eine Route mit kurzem Zustieg und nicht so schwer. Unsere Wahl war sehr glücklich und gleich rechts der Route Zebda an den schönen Karstquellen des Ortes gelegen. Schon eigenartig, das nur diese Quellen das Leben in dieser Steinwüste ermöglichen. Es sieht zudem sehr bizarr aus wie ca. 1000l pro Sekunde aus verschiedenen Löchern eines riesigen scheinbar massiven Kalkfelsen strömen. Während wir kletterten sahen wir die Kinder des Dorfes welche lachend unterhalb der Quelle spielten. Unsere Route war auf jeden Fall eine gute Wahl und die Kletterei war sehr ausdauernd und abwechslungsreich. Bereits nach 3 Stunden waren wir am Ausstieg und freuten uns auf den kühlen Schatten denn die Wand war leider in der Sonne. Da das Seil sich nicht abziehen ließ durfte ich die letzen beiden Längen noch einmal Klettern. Da wir jedoch eine MikroTraxion dabei hatten, blieben mir zum Glück ein 60 m Aufstieg mit einer Brusikschlinge ersparrt. Noch am gleichen Nachmittag verließen wir Taghia und fuhren für die letzen Tage nach Marrakesch. So gingen mein zweiter Besuch in Taghia mit knapp 3000 Klettermetern zufrieden und geschafft dem Ende zu und ich freute mich wieder auf zu Hause.
Topo Susuro Berber


Issy in der sehr anstrengenden 7a+


Eine der vielen Karstquellen von Taghia



--Und da sagt einer es gäbe keine Zweibeinigen Mulies



Marrakesch

Die Suks von Marrakesch

El Fna

Anbei noch ein paar Topos von neueren Routen als Info welche wir zwar nicht geklettert haben. Vielleicht hilft es ja ein paar Leuten bei der Urlaubsplanung.
Topo Skylarking

Topo Raum der Wünsche

Topo Golden Age

Topo Intoxication

Topo Hard Swig and Zellow Soup. Rechts unten die Einstufung der Wiederholer

Übersicht zum Topo Sulayr

Topo Sulayr